Kieferorthopädische Frühbehandlung: Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Frühbehandlung Kieferorthopädie: Wann beginnen?

Wann ist eine kieferorthopädische Frühbehandlung sinnvoll?

In vielen deutschen Medien wird oft behauptet, dass kieferorthopädische Behandlungen bei Kindern viel zu früh durchgeführt werden. Doch stimmt das wirklich? Wann ist eine kieferorthopädische Frühbehandlung sinnvoll oder sogar notwendig? Warum wachsen die Zähne überhaupt schief? Oft ist der Kieferknochen zu klein für die Zähne. In diesem Artikel erklären wir, wann Sie mit Ihrem Kind zum Fachzahnarzt für Kieferorthopädie gehen sollten.

Ursachen von Zahn- und Kieferfehlstellungen

Zahn- und Kieferfehlstellungen entstehen nicht von alleine. Die Form und Größe des menschlichen Kieferknochens wird durch Funktion und Belastung der umliegenden Muskeln bestimmt. Das bedeutet: Das Wachstum des Kieferknochens wird durch Kauen, Schlucken, Sprechen und Atmen beeinflusst. Die Größe unserer Zähne hat sich seit Millionen Jahren nicht wesentlich verändert. Was sich verändert hat, ist unsere Ernährung. Kinder werden oft mit Brei und Püree ernährt, sodass die Kaumuskulatur nicht so stark entwickelt wird wie bei unseren Vorfahren.

Wie Kauen und Schlucken die Kieferform bestimmen

Kauen und Schlucken sind untrennbar miteinander verbunden. Die Bewegungen und die Lage der Zunge beim Schlucken bestimmen die Form und Größe der Kiefer. Das unbewusste Schlucken von Speichel findet etwa zweimal pro Minute statt. Wenn die Zunge dabei gegen den Gaumen gedrückt wird, kann sich der Kiefer normal entwickeln. Die Anlagen der bleibenden Zähne haben genug Platz und wachsen gerade aus dem Kiefer heraus. Liegt die Zunge beim Schlucken zwischen den Zähnen oder wird zwischen den Lippen sichtbar, fehlt der Druck gegen den Gaumen, und der Kieferknochen kann nicht richtig wachsen.

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Was die meisten Eltern nicht wissen: Die bleibenden Zähne entstehen im Kiefer bereits ab dem zweiten Lebensjahr. Mit sechs Jahren sind alle Zahnkronen der bleibenden Zähne (außer den Weisheitszähnen) vollständig entwickelt und liegen über den Milchzähnen. Wenn der Kiefer zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr zu klein ist, sind die bleibenden Zähne bereits schief angelegt. Diese ungünstige Entwicklung kann durch Gewohnheiten wie Schnuller- oder Daumennuckeln verstärkt werden.

Folgen eines zu kleinen Kiefers

Ein schmaler Kiefer erschwert die gesunde Nasenatmung. Mundatmung kann zu Atemwegsinfekten, Asthma, ADHS, Schlafapnoe und Konzentrationsschwäche führen. Eine kieferorthopädische Frühbehandlung kann diese Entwicklung stoppen und umkehren. Die Erstuntersuchung sollte etwa mit sechs Jahren nach dem Durchbruch der ersten bleibenden Zähne stattfinden.

Moderne Behandlungsmethoden

Der Autor hat in 33 Jahren Berufserfahrung zahlreiche Frühbehandlungen durchgeführt. Die Behandlungsmittel haben sich von aktiven Platten, Bionator, Myobrace und Invisalign bis hin zu AngelAligner-KID entwickelt. Am besten werden die Kiefer mit durchsichtigen Schienen (AngelAligner) ausgeformt. Diese sind leicht einzusetzen, bequem zu tragen, stören nicht beim Sprechen und lassen den Gaumen frei. Im Gegensatz zu herkömmlichen Platten, die den Gaumen mit Kunststoff bedecken, ermöglichen Aligner der Zunge, direkt am Gaumen zu liegen und die richtige Schluckfunktion zu erlernen.

Erst wenn die Kiefer ausgeformt sind, kann die Rehabilitation der Kau- und Schluckfunktion mit myofunktioneller Therapie (FroggyMouth) stattfinden. Dies ist auch der günstige Zeitpunkt für eine begleitende logopädische Therapie.

Ziele der Frühbehandlung

Ziel einer erfolgreichen Frühbehandlung ist das Ausformen der Zahnbögen, Platzbeschaffung für die bleibenden Zähne und die Ermöglichung von physiologischem Abbeißen, Kauen, Schlucken, Sprechen und Atmen. Das weitere Wachstum der Kiefer wird verbessert und der spätere Zahnwechsel begünstigt. Das Risiko von Extraktionen bleibender Zähne oder chirurgischen Eingriffen sinkt signifikant.

Eltern berichten von positiven Nebeneffekten wie weniger Asthma, ADHS, besserem Schlaf und besseren Leistungen in Sport und Schule. Bei 100 % der Kinder ist nach dem Zahnwechsel die Hauptbehandlung einfacher und kürzer. Bei etwa 10 % der Kinder ist nach der Frühbehandlung keine spätere Zahnregulierung mehr nötig.

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Kostenübernahme durch Krankenkassen

In Deutschland ist die Frühbehandlung streng reguliert. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten nur bei gravierenden Abweichungen wie Kreuzbiss, Progenie (Mesialbiss), extremer Frontzahnstufe (mehr als 9 mm) oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Dabei bezahlen die Kassen nur aktive Platten, die den Zungenraum zusätzlich einengen und das richtige Sprechen und Schlucken erschweren. Die medizinisch sinnvolle Behandlung mit Alignern wird nur von privaten Versicherungen übernommen. Für gesetzlich Versicherte ist daher ein früher Abschluss einer Zusatzversicherung vor dem sechsten Lebensjahr empfehlenswert.