Hantavirus: Quarantäne für Betroffene endet bald
Hantavirus: Quarantäne für Betroffene endet bald

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff zeichnet sich für die noch in Quarantäne befindlichen deutschen Passagiere ein Ende der Isolation ab. Wie eine dpa-Abfrage bei den zuständigen Ämtern ergab, dürfen alle Personen, die sich noch in häuslicher Absonderung befinden, diese in den kommenden Tagen verlassen.

Quarantäne-Ende in Sicht

Für eine betroffene Person aus der Region Heilbronn endet die Quarantäne am Wochenende, auch ein weiterer Fall aus Mittelsachsen wird in den nächsten Tagen aufgehoben. Beiden geht es den Behörden zufolge gut. Zwei Kontaktpersonen in Bayern zeigten ebenfalls keine Symptome: Eine hat die Isolation bereits beendet, für die andere endet die Frist voraussichtlich am Samstag. Eine der beiden war zunächst in der Uniklinik Düsseldorf untergebracht. Auch aus Berlin wurde bestätigt, dass die Quarantäne der betroffenen Kontaktperson demnächst ausläuft.

Die Behörden orientieren sich damit weitgehend an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine Überwachung der Menschen vom Schiff bis zum 21. Juni vorgesehen hatte.

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Seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragung

Hintergrund ist der Ausbruch des Hantavirus – konkret des südamerikanischen Andes-Typs – auf einer Kreuzfahrt des Schiffes „Hondius“ der niederländischen Reederei Oceanwide Expeditions, die in Argentinien begonnen hatte. Drei Menschen starben infolge der Infektion, mehrere weitere erkrankten. Das Andesvirus ist das einzige Hantavirus, bei dem vereinzelt auch Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich sind. Üblicherweise werden Hantaviren durch Nagetiere übertragen, etwa über Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub.

Rund 150 Menschen aus 23 Ländern waren an Bord der „Hondius“. Wegen des Ausbruchs legte das Schiff im Mai auf Teneriffa an, von wo die Passagiere unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimatländer reisten. In mehreren Ländern, darunter Kanada, Frankreich und Spanien, wurden Infektionen bestätigt. Laut WHO sind die überlebenden Infizierten auf dem Weg der Besserung und wurden teils aus dem Krankenhaus entlassen. Das Risiko für die breite Bevölkerung war bereits vor Wochen als gering eingestuft worden.

Schiff wieder auf Expedition

Die gründlich desinfizierte „Hondius“ ist mittlerweile zu einer neuen Expedition aufgebrochen. Die Crew-Mitglieder werden nach abgeschlossener Quarantäne in den nächsten Tagen nach Hause fliegen, so eine Sprecherin der Reederei.

Ursprung des Ausbruchs ungeklärt

Wo genau sich die Passagiere ansteckten, ist trotz intensiver Suche nicht geklärt. Das Schiff war am 1. April von Ushuaia in der Provinz Tierra del Fuego (Feuerland) im Süden Argentiniens aus gestartet. Die argentinischen Behörden suchten daher zunächst dort nach dem Ursprung. Mitarbeiter des Forschungsinstituts Malbrán stellten in Ushuaia Fallen auf, um Nagetiere zu fangen, die das Hantavirus übertragen können. Dabei wurden keine Exemplare der Langschwanz-Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus) gefunden, die als wichtigster Träger des Andesvirus gilt. Auch in der weiter nördlich gelegenen Provinz Mendoza an der Grenze zu Chile wurden keine verdächtigen Nagetiere gefangen.

Ein niederländisches Paar, das an der Infektion starb, war nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Tierra del Fuego nach einer monatelangen Reise durch Argentinien, Chile und Uruguay am 29. März in Ushuaia eingetroffen und hatte sich am 1. April auf der „Hondius“ eingeschifft. Bereits am 3. April – fünf Tage nach ihrer Ankunft in Ushuaia – zeigten sie erste Symptome. „Eine so kurze Inkubationszeit ist nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich“, zitiert die Fachzeitschrift „Science“ die Virologin Valeria Martínez vom Forschungsinstitut Malbrán. Die Pan-Amerikanische Gesundheitsorganisation schätzt die Inkubationszeit des Hantavirus auf 7 bis 39 Tage.

Nagetier im Wohnmobil als wahrscheinlichste Hypothese

Die derzeit wahrscheinlichste Erklärung ist, dass ein infiziertes Nagetier während der Fahrt des niederländischen Paars durch Argentinien in einer anderen Provinz in das Wohnmobil eingedrungen war und den Mann zu einem späteren Zeitpunkt ansteckte. „Das kommt hier in der Gegend zu Beginn des Winters ziemlich häufig vor“, sagte Martínez. „Die Nagetiere dringen auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf in die Autos ein.“

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In Uruguay, wo das Paar das Wohnmobil nach seiner Rundreise abstellte, untersuchten Wissenschaftler das Fahrzeug. „Wir haben weder Kot noch offensichtliche Spuren von Nagetieren gefunden“, sagte die Virologin Adriana Delfraro von der uruguayischen Universität der Republik. Die Forscher nahmen Abstriche aus dem Fahrzeug, um nach Hinweisen auf das Virus oder seinen Nagetierwirt zu suchen. Gewissheit gibt es jedoch weiterhin nicht.