Bei 40 Grad Außentemperatur wird es in vielen Wohnungen unerträglich heiß. Besonders betroffen sind Dachgeschosswohnungen. Bauingenieur Christian Müller, der selbst fünf Jahre in einem ausgebauten Dachgeschoss lebte, weiß: „An heißen Tagen ist im Dachgeschoss schon Innentemperatur gleich Außentemperatur.“ Das bedeutet: Wenn das Thermometer draußen 40 Grad anzeigt, sind es drinnen ebenfalls 40 Grad – ohne Kühlungsmöglichkeiten eine enorme Belastung.
Warum Dachgeschosse besonders heiß werden
Die Ursache liegt in der Bauweise: Das Dach ist der Sonne direkt ausgesetzt. „Die Wärme strahlt ungehindert durch die Dachhaut in den Wohnraum“, erklärt Müller. Hinzu kommt, dass viele Altbauten über keine ausreichende Dämmung verfügen. Moderne Dämmstoffe könnten die Hitze zwar abhalten, doch in älteren Gebäuden fehlen sie oft. Auch die fehlende Verschattung durch Bäume oder Nachbargebäude verstärkt den Effekt. „In dicht bebauten Stadtvierteln heizen sich die Dächer zusätzlich auf“, so der Experte.
Maßnahmen zur Hitzereduzierung
Wer in einem Dachgeschoss wohnt, kann jedoch einiges tun. Müller empfiehlt eine Kombination aus Dämmung, Verschattung und richtigem Lüftungsverhalten. „Eine nachträgliche Dachdämmung ist die effektivste Maßnahme“, sagt er. Auch außenliegende Jalousien oder Rollläden helfen, die Sonneneinstrahlung zu reduzieren. „Innenliegende Vorhänge sind weniger wirksam, da die Wärme bereits durch das Fenster eingedrungen ist.“
Wichtig ist zudem das Lüften: Nur in den frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden sollte man die Fenster öffnen, wenn die Außentemperatur niedriger ist als innen. „Tagsüber bleiben Fenster und Türen geschlossen, um die kühle Luft zu bewahren“, rät Müller. Ventilatoren können die gefühlte Temperatur senken, indem sie den Luftstrom erhöhen.
Zukunft des Wohnens in heißen Zeiten
Angesichts zunehmender Hitzewellen stellt sich die Frage, ob Dachgeschosswohnungen in Zukunft an Attraktivität verlieren. „Viele Menschen suchen bereits nach Wohnungen im Erdgeschoss oder mit Garten, weil es dort kühler ist“, beobachtet Müller. Allerdings gebe es auch technische Lösungen: Begrünte Dächer senken die Oberflächentemperatur, und spezielle Beschichtungen reflektieren das Sonnenlicht. „Neubauten sollten grundsätzlich mit einem Hitzeschutzkonzept geplant werden“, fordert der Bauingenieur. Dazu gehören nicht nur Dämmung und Verschattung, sondern auch die Ausrichtung der Fenster und die Nutzung von Speichermassen, die Wärme puffern.
Für Bestandsbauten empfiehlt Müller, bei Sanierungen den Hitzeschutz mitzudenken. „Das ist eine Investition, die sich nicht nur in Komfort, sondern auch in Gesundheit auszahlt.“ Denn anhaltende Hitze belastet den Kreislauf und kann zu Schlafstörungen führen. Mit einfachen Mitteln wie reflektierenden Folien oder weißen Dachanstrichen könne man die Temperatur um mehrere Grad senken. „Jeder Grad weniger spürt man sofort“, so Müller.
Die Nachfrage nach kühlen Wohnungen werde steigen, prognostiziert der Experte. „Wer heute baut oder saniert, sollte den Hitzeschutz priorisieren.“ Das gelte nicht nur für Dachgeschosse, sondern für alle Wohnungen in dicht bebauten Städten. Denn der Klimawandel bringe immer extremere Sommer – und die Anpassung des Wohnraums sei ein zentraler Baustein für die Lebensqualität.



