Hitzewellen werden im Zuge des Klimawandels häufiger und intensiver. Anhaltend hohe Temperaturen stellen besonders für vorerkrankte Menschen, Ältere und Kinder eine erhebliche Gefahr dar. Fachleute geben wichtige Tipps für die heißen Tage.
Aktuelle Wetterlage: Heiß bis sehr heiß
Nach einigen eher kühlen Tagen stehen nun sommerliche Temperaturen an. Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für Deutschland ab Freitag schwülheiße Bedingungen mit 30 bis 35 Grad, im Südwesten sogar bis zu 37 Grad. Am Samstag wird es heiß bis sehr heiß mit 30 bis 36 Grad, am Sonntag und Montag lokal bis zu 38 Grad. Erst danach soll eine Abkühlung eintreten.
Gefühlte Temperatur und individuelle Risiken
Wie Menschen mit diesem Wetter zurechtkommen, hängt nicht nur von den Tageshöchsttemperaturen ab, sondern vor allem von der gefühlten Temperatur, die durch Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Wind beeinflusst wird. Ob Hitze gefährlich wird, entscheidet auch das Verhalten der Menschen und ihre Möglichkeiten, sich abzukühlen. Besonders gefährdet sind Vorerkrankte oder ältere Menschen, deren Körper sich schlecht an hohe Temperaturen anpassen kann, sowie Kinder, die besonderen Schutz benötigen.
Von harmlos bis lebensgefährlich
Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München betont: „Insgesamt gehört Hitze heute neben den Luftschadstoffen bereits zu den wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken.“ Hitze werde nur selten als direkte Todesursache erfasst; die Zahlen müssten häufig als Übersterblichkeit berechnet werden. Für Deutschland gibt es mittlerweile relativ belastbare Schätzungen zu hitzebedingten Krankheits- und Todesfällen. Mit zunehmendem Alter verliert der Körper seine Fähigkeit, sich abzukühlen, sodass richtiges Verhalten und Kleidung entscheidend sind.
Das Robert-Koch-Institut schätzte die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle im vergangenen Sommer auf 1200 bis 3700. Hitze ist auch ein Wirtschaftsfaktor: Die Zahl der Krankschreibungen nimmt nach einem Hitzetag mit über 30 Grad um 3,5 Prozent zu, nach fünf Hitzetagen um fünf Prozent und nach sieben Tagen um knapp 11 Prozent, wie eine nicht begutachtete Studie zeigt.
Ameli Breuer, Assistenzärztin an der Charité, erklärt: „Die Auswirkungen sind bereits heute im klinischen Alltag sichtbar und werden mit fortschreitendem Klimawandel voraussichtlich weiter zunehmen.“ Die Beschwerden reichen von harmlos bis lebensgefährlich. Nach einem Tag im stickigen Büro können geschwollene Beine auftreten. Kaltes Abduschen nach Kneipp – zuerst die Füße, dann Richtung Herz – kann helfen. Für Menschen mit Venenerkrankungen, etwa jeder Fünfte in Deutschland, können Schwellungen schmerzhaft werden und Kompressionswäsche erfordern, so die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.
Hitze-Tipps für ältere Menschen
- Ausreichend trinken, keinen Alkohol, keine gekühlten Getränke
- Leicht essen, viel Gemüse und Obst, weniger Fett und Fleisch
- Leichte Kleidung tragen, draußen auch eine Kopfbedeckung
- Anstrengungen vermeiden, während der heißesten Tageszeit eine Ruhephase einlegen und Aktivitäten in die Morgen- und Abendstunden verlegen
- Den Körper mit Wasser kühl halten, etwa durch Abduschen, Fuß- oder Armbäder oder mit feuchten Tüchern
- Sich morgens und abends wiegen, um Flüssigkeitsverluste festzustellen
- Die Wohnung durch nächtliches Lüften und Verschattung bei Tag möglichst kühl halten
- Medikamente können die Temperaturregulation und den Wasserhaushalt beeinflussen. Die Einnahme an Hitzetagen sollte nur mit ärztlichem Rat angepasst werden
Heiße Tage und tropische Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 25 Grad sinkt, können gefährlich werden. Alexander Oberhuber von der DGG warnt: „Schon ein Anstieg der Umgebungstemperatur um ein Grad Celsius kann die Sterblichkeit durch Herzinfarkt und Schlaganfall messbar erhöhen.“
Fehlender Hitzeschutz
Kerstin Kammerer vom Institut für Gerontologische Forschung in Berlin betont, dass Hitzewellen für ältere, vorerkrankte und pflegebedürftige Menschen mit hohen gesundheitlichen Risiken verbunden sind. Zwei zentrale Schutzmechanismen des Körpers – die Erweiterung der Blutgefäße und die Schweißabsonderung – erfordern erhöhte Herzleistung. Im Alter verringerte Schweißbildung und geringere Hautdurchblutung können die Anpassung an hohe Temperaturen einschränken. „Für Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht sich das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle“, sagt Kammerer. Auch Atemwegserkrankungen, Diabetes, Nierenerkrankungen und psychische Erkrankungen können sich durch Hitze verschlechtern. Weitere Fachleute nennen Demenz, Multiple Sklerose, Epilepsie und Migräne. Bei hohen Temperaturen können psychische Erkrankungen neu entstehen oder Symptome wie Schlaf-, Konzentrations- oder Antriebsstörungen verstärkt werden.
Kinder: Besonders gefährdet
Kinder und Jugendliche gelten bei Hitze als besonders vulnerable Gruppe. Dirk Holzinger von der Uniklinik Essen erklärt: „Ihr Thermoregulationssystem ist im Vergleich zu gesunden Erwachsenen noch nicht vollständig ausgereift, und sie können sich schlechter an hohe Temperaturen anpassen.“ Kinder erzeugen pro Kilogramm Körpergewicht mehr Stoffwechselwärme und haben im Säuglingsalter eine im Verhältnis zum Körpergewicht größere Körperoberfläche, wodurch sie mehr Wärme aus der Umgebung aufnehmen. Zudem verlieren sie bei körperlicher Aktivität mehr Flüssigkeit und können ihren Flüssigkeitsbedarf oft nicht selbstständig ausgleichen, was das Risiko für Dehydratation erhöht.
Hitze-Tipps für Kinder
- Bei den Hitzeschutzmaßnahmen für Kinder kommt es auf Erwachsene an, die darauf achten
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, vor allem bei Sport und Spiel
- Morgens und abends wiegen, um Flüssigkeitsverluste zu erkennen
- Kühle und schattige Orte aufsuchen
- Körperliche Anstrengungen während der Mittagshitze vermeiden
- Leichte, luftdurchlässige Kleidung tragen
- Kühlung durch Aufenthalt in kühlen Räumen, Besprühen der Haut mit Wasser und ausreichende Erholungsphasen
- Aufenthaltsräume tagsüber verschatten und nachts lüften
- Flexibler, an die Hitze angepasster Umgang mit dem üblichen Tagesablauf
Hitze kann bei Kindern und Jugendlichen neben Dehydratation zu Hitzekrämpfen, Ohnmacht und Hitzeerschöpfung bis hin zum lebensbedrohlichen Hitzschlag führen. „Für Deutschland gibt es Hinweise auf eine erhöhte Hospitalisierungsrate von Kindern und Jugendlichen an sehr heißen Tagen“, berichtet Holzinger. Umfragen zeigen, dass viele junge Menschen unter hitzebedingten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Kreislaufproblemen leiden. Verlässliche Daten zur hitzebedingten Morbidität und Mortalität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind jedoch bislang begrenzt verfügbar, weshalb weiterer Forschungsbedarf besteht.
Trinken ist essenziell
Für alle gilt: Ausreichend trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Hanns-Christian Gunga von der Charité erklärt: „Bei hohen Umgebungstemperaturen kann der Körper selbst in Ruhe pro Stunde 500 bis 700 Milliliter Flüssigkeit über Schweiß verlieren – oft unbemerkt.“ Daher sollte etwa alle 20 bis 30 Minuten ein Glas getrunken werden. Regelmäßige kleine Trinkmengen sind empfehlenswert, da große Mengen auf einmal den Magen-Darm-Trakt belasten. Je nach Temperatur und körperlicher Belastung kann der Flüssigkeitsbedarf auf bis zu zwei Liter pro Stunde steigen. „Hier ist Durst kein verlässliches Warnsignal, da er oft erst bei bereits fortgeschrittener Dehydrierung auftritt“, sagt Gunga. Reines Wasser sei nicht immer die beste Wahl. Optimal seien Getränke mit einem geringen Zuckeranteil von ein bis zwei Prozent, wie eine dünne Apfelschorle, da sie die Flüssigkeitsaufnahme im Darm beschleunigen. Alkoholische und stark zuckerhaltige Getränke sollten vermieden werden, aber bei großer Hitze und starker Belastung könne auch eine leicht gesalzene Brühe sinnvoll sein.



