Der neue nationale Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums soll in Deutschland künftig tausende Hitzetote verhindern. Das gab das Ministerium am Donnerstag in Berlin bekannt. Der Plan sieht konkrete Maßnahmen vor, um insbesondere ältere Menschen, chronisch Kranke und Pflegebedürftige vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze zu schützen.
Hintergrund: Rekordsommer und steigende Temperaturen
Auslöser für den Plan sind die jüngsten Erfahrungen mit außergewöhnlichen Hitzewellen. Der Sommer 2022 war der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen in Europa. In Deutschland starben Schätzungen zufolge rund 8.000 Menschen an den Folgen der Hitze. Das Bundesgesundheitsministerium reagiert nun mit einem koordinierten Vorgehen, das auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) basiert.
„Der Klimawandel ist die größte gesundheitliche Herausforderung unserer Zeit“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei der Vorstellung des Plans. „Wir müssen uns jetzt anpassen, um Leben zu retten.“ Der Plan soll bis 2025 schrittweise umgesetzt werden und umfasst sowohl Sofortmaßnahmen als auch langfristige Strategien.
Konkrete Maßnahmen für Gesundheitseinrichtungen und Städte
Der Hitzeschutzplan sieht unter anderem vor, dass Krankenhäuser, Pflegeheime und Arztpraxen Hitzeschutzpläne erstellen. Dazu gehören die Anpassung von Raumtemperaturen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr für Patienten und Bewohner sowie die Schulung von Personal. Auch Städte und Gemeinden sind aufgefordert, Hitzeaktionspläne zu entwickeln, die etwa Trinkbrunnen, schattige Plätze und Warnhinweise in öffentlichen Einrichtungen umfassen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Information der Bevölkerung. Das Ministerium plant eine bundesweite Kampagne, um über Risiken und Schutzmöglichkeiten aufzuklären. Zudem sollen Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes künftig stärker verbreitet werden. „Wir müssen Hitze als Gesundheitsrisiko ernst nehmen und vorbeugen, bevor Menschen sterben“, betonte Lauterbach.
Kritik und Forderungen von Experten
Gesundheitsexperten begrüßten den Plan, forderten aber zusätzliche Anstrengungen. Der Deutsche Pflegerat wies darauf hin, dass Pflegekräfte in Altenheimen oft nicht ausreichend geschult seien. Auch der Deutsche Städtetag mahnte, dass die Kommunen finanzielle Unterstützung vom Bund benötigen, um die Maßnahmen umzusetzen. Die Bundesärztekammer forderte, Hitzeschutz als Pflichtaufgabe in allen Gesundheitseinrichtungen zu verankern.
Der Plan ist Teil einer umfassenderen Klimaanpassungsstrategie der Bundesregierung. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Kabinett Eckpunkte beschlossen, um die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Der Hitzeschutzplan wird nun schrittweise konkretisiert und soll bis 2025 vollständig umgesetzt sein.
Ausblick: Weitere Maßnahmen geplant
Das Ministerium kündigte an, den Plan regelmäßig zu evaluieren und bei Bedarf nachzuschärfen. Geplant sind zudem Forschungsprojekte zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze und die Entwicklung eines Hitzeknigge für Bürger. „Wir können nicht alle Todesfälle verhindern, aber wir können die Zahl deutlich senken“, sagte Lauterbach. Nach aktuellen Prognosen könnten ohne Schutzmaßnahmen bis 2050 jährlich bis zu 10.000 Menschen an Hitze sterben.



