Studie entlarvt unwirksame IVF-Zusatzleistungen
Bei kaum einer medizinischen Behandlung ist die Hoffnung so groß wie beim unerfüllten Kinderwunsch. Kliniken bieten daher zahlreiche Zusatzleistungen an, die die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen sollen. Eine neue Studie hat nun zehn dieser Verfahren unter die Lupe genommen – und nur für drei einen wissenschaftlichen Nutzen gefunden.
Die Untersuchung, über die der Tagesspiegel berichtet, zeigt, dass viele der angebotenen Therapien oder Diagnoseverfahren keinen belegten Effekt haben. Paare geben oft viel Geld für Behandlungen aus, die ihnen keine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit bringen.
Drei wirksame Verfahren identifiziert
Forscher prüften zehn gängige Zusatzleistungen bei der In-vitro-Fertilisation (IVF). Nur drei davon zeigten in Studien einen signifikanten Nutzen: die Präimplantationsdiagnostik (PID) bei bestimmten Indikationen, die assistierte Schlüpfhilfe (Assisted Hatching) und die Übertragung von Embryonen im Blastozystenstadium.
Die anderen sieben Verfahren, darunter die Endometrium-Rezeptivitätsanalyse (ERA) und die Immuntherapie, konnten keine verbesserte Schwangerschaftsrate nachweisen. Die Autoren der Studie betonen, dass Kliniken diese Leistungen oft ohne ausreichende Evidenz anbieten.
Hohe Kosten ohne Garantie
Die Zusatzleistungen sind teuer: Eine ERA-Analyse kostet beispielsweise zwischen 500 und 1000 Euro, eine Immuntherapie kann mehrere Tausend Euro verschlingen. Viele Paare zahlen diese Summen aus eigener Tasche, da die Krankenkassen sie nicht übernehmen.
„Es ist frustrierend zu sehen, dass Paare in ihrer Verzweiflung oft zu Methoden greifen, die wissenschaftlich nicht haltbar sind“, sagt Dr. Maria Schmidt, Reproduktionsmedizinerin an der Universitätsklinik Heidelberg, die nicht an der Studie beteiligt war. „Die Studie ist ein wichtiger Schritt, um mehr Transparenz zu schaffen.“
Kliniken in der Kritik
Die Forscher kritisieren, dass viele Kliniken die Zusatzleistungen aggressiv bewerben, ohne auf die fehlende Evidenz hinzuweisen. Sie fordern strengere Richtlinien und eine bessere Aufklärung der Patienten. „Paare sollten wissen, dass nur wenige Zusatzleistungen tatsächlich die Erfolgschancen erhöhen“, so Studienleiter Prof. Dr. Thomas Müller von der Charité Berlin.
Empfehlungen für betroffene Paare
Die Autoren raten Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch, sich vor einer Behandlung umfassend zu informieren und kritisch nach der wissenschaftlichen Basis der angebotenen Leistungen zu fragen. Sie sollten sich nicht unter Druck setzen lassen und auch eine zweite Meinung einholen.
Die Studie verdeutlicht, dass der Markt für IVF-Zusatzleistungen dringend reguliert werden muss. Nur so können Paare vor unnötigen Ausgaben und falschen Hoffnungen geschützt werden.



