Auch wenn das Wasser in einem Swimmingpool kristallklar aussieht, ist das keine Garantie für hygienische Sauberkeit. Auf der Oberfläche schwimmen tote Insekten, Haare und Sonnenschutzreste, an den Rändern wachsen grüne Algen – doch selbst bei klarem Wasser können sich gefährliche Mikroorganismen tummeln, die Krankheiten verursachen.
Welche Krankheiten drohen durch verunreinigtes Poolwasser?
Das häufigste Problem sind Darmerkrankungen. Eine globale Überblicksstudie zu Schwimmbädern zeigt, dass Magen-Darm-Probleme vor allem durch Parasiten aus der Gruppe der Kryptosporidien ausgelöst werden. Diese Einzeller verursachen Bauchschmerzen, leichten Durchfall und manchmal Fieber und kommen auch in privaten Pools vor. Noch häufiger finden sich Fäkalkeime wie Enterokokken und Escherichia coli (E. coli). Sie stammen aus dem Darm von Tieren und Menschen. Während die meisten Stämme harmlos sind, können bestimmte E. coli-Bakterien Übelkeit, Durchfall und Fieber hervorrufen.
Wie gelangen Krankheitserreger in den Pool?
Ein Teil der Erreger ist bereits im eingelassenen Wasser enthalten, das weder aus der Leitung noch aus Grundwasser steril ist – auch wenn die Belastung meist gering ist. Hauptsächlich gelangen die Keime jedoch durch Urin und Fäkalien der Badenden sowie durch Tiere, etwa Vogelkot, ins Wasser. Manche Mikroorganismen werden sogar durch die Luft eingetragen. Iris Chaberny, Direktorin des Instituts für Krankenhaus- und Umwelthygiene an der Uniklinik Schleswig-Holstein, erklärt: „Da, wo Wasser ist, ist Leben. Das ist an sich erst einmal nicht schlimm, es muss nicht immer gleich zu Erkrankungen führen. Wir müssen nicht hysterisch werden.“
Wie stark belastet sind private Pools?
Der Mikrobiologe Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal betont: „Dazu haben wir tatsächlich gar keine Daten. Es gibt schlicht und ergreifend keine Studien dazu.“ Anders als bei öffentlichen Schwimmbädern, wo Fachpersonal die Wasserqualität überwacht, und natürlichen Badegewässern, in denen die Keimbelastung gemessen wird, fehlen für private Pools systematische Untersuchungen.
Klar ist jedoch: In vielen privaten Pools finden Mikroorganismen ideale Bedingungen. Warmes Wasser und Sonneneinstrahlung fördern die Vermehrung. Hinzu kommt der Eintrag von organischen Substanzen: „Wenn ein Kind von der Wiese kommt und dann mit den dreckigen Füßen in den Pool steigt, erfolgt ein Eintrag von organischer Substanz. Hinzu kommen solche Sachen wie Sonnencreme, das ist auch eine organische Belastung“, so Bockmühl. Diese Nährstoffe begünstigen das Keimwachstum.
Wie nehmen Badende die Erreger auf?
Eine US-Studie aus dem Jahr 2017 untersuchte, wie viel Schwimmbadwasser Menschen versehentlich schlucken. Erwachsene Schwimmer nahmen durchschnittlich zehn Milliliter pro Stunde zu sich, Kinder etwa viermal so viel. Ein Kind schluckte sogar mehr als einen Viertelliter. Für eine Infektion ist eine bestimmte Erregerdosis nötig. Bockmühl erklärt: Erwachsene, die sich in einem Pool abkühlen, trinken das Wasser eher nicht in großen Mengen. „Geht es aber um kleine Kinder, die darin spielen, kann durchaus ein Risiko bestehen.“ Zudem kann bei Kindern eine gleich große Menge eher zu einer Erkrankung führen.
Eine weitere häufige bakterielle Infektion durch Pools ist die Gehörgangsentzündung. Sie entsteht, wenn Wasser längere Zeit im äußeren Gehörgang bleibt und den schützenden Ohrschmalz ausschwemmt. Tanja Brunnert, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ), berichtet: „Wir sehen seit Beginn der Hitzewelle vermehrt Gehörgangsentzündungen bei Kindern, die viel getaucht sind.“ Diese Infektion ist jedoch nicht übertragbar.
Erkennt man belastetes Wasser am Aussehen?
Nicht unbedingt. Klares Wasser bedeutet nicht, dass keine gefährlichen Mikroorganismen vorhanden sind, sagt Bockmühl. Umgekehrt gilt: Steht das Wasser wochenlang im Pool und sieht schmutzig aus, ist es auch belastet. „Schwimmen dort Blätter und Sonnencreme-Reste, haben die Organismen viele Nährstoffe.“ Entscheidend ist auch die Ausstattung des Pools: Kleine Pools ohne Pumpe und Chlor bieten kaum Schutz gegen Keimwachstum. Ein Pool mit Desinfektions- und Filteranlage dürfte dagegen in Ordnung sein, erklärt Chaberny. Brunnert empfiehlt, gerade für Kinder einen Pool mit Wasseraufbereitung zu nutzen.
Was können Poolbesitzer zur Hygiene beitragen?
Das Umweltbundesamt rät, den Pool abzudecken, regelmäßig mit einem Laubkescher zu reinigen, die Wände zu bürsten und das Wasser zu filtern. Auch der Einsatz von Chlor oder anderen Chemikalien ist möglich. Vor allem bei kleinen Pools muss das Wasser jedoch regelmäßig ausgetauscht werden. In öffentlichen Bädern werden täglich 30 Liter Wasser pro Badegast erneuert. Das ist jedoch schwierig in Zeiten von Wassermangel: Städte wie München und Landau verbieten derzeit sogar die Nutzung von Leitungswasser zum Befüllen von Pools. Andere Gemeinden wie Hille, Hüllhorst, Bad Oeynhausen und Löhne in Ostwestfalen raten dringend davon ab.
Bockmühl fasst in seinem Buch „Keim daheim“ zusammen: Haben Keime kein Wasser, können sie nicht überleben. „Wenn Sie die Burschen loswerden wollen, müssen Sie ihnen den Hahn abdrehen.“ Gerade das Wasser von kleinen, aufblasbaren Baby-Planschbecken lasse sich abends wunderbar zum Blumengießen verwenden, so der Mikrobiologe.



