Kopfbälle gehören zum Fußball wie Tore und Trikots. Doch eine neue niederländische Untersuchung zeigt, dass selbst bei Amateurspielern bereits nach wenigen Kopfbällen messbare Veränderungen im Blut auftreten. Die Forscher fanden erhöhte Konzentrationen von Biomarkern, die auf eine Belastung von Nerven- und Hirnzellen hindeuten.
Studie begleitet 302 Amateurspieler über elf Spiele
Wissenschaftler aus den Niederlanden untersuchten 302 männliche Amateurfußballer während elf Spielen. Vor und nach den Partien sowie bis zu 48 Stunden später entnahmen sie Blutproben. Parallel dazu erfassten sie per Videoanalyse jeden Kopfball. Die Proben wurden auf die Marker S100B und p-tau217 getestet: S100B ist ein Eiweiß, das von Stützzellen des Gehirns gebildet wird, p-tau217 wird üblicherweise bei Alzheimer-Verdacht gemessen.
Das Ergebnis: Spieler, die Kopfbälle ausgeführt hatten, zeigten direkt nach dem Spiel einen signifikant stärkeren Anstieg von S100B als Spieler ohne Kopfball. Auch p-tau217 stieg an. Besonders auffällig war der Zusammenhang zwischen der Anzahl der Kopfbälle und der Höhe der Marker: Je mehr Kopfbälle, desto stärker die Veränderung. Intensive Kopfballaktionen korrelierten mit den höchsten Werten.
Experten warnen vor Überinterpretation der Daten
Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse keine dauerhaften Hirnschäden belegen. Die erhöhten Werte normalisierten sich innerhalb von 24 bis 48 Stunden. Auch ein direkter Zusammenhang zwischen einzelnen Spielen und Demenz sei nicht hergestellt. Jort Vijverberg vom „Alzheimer Center Amsterdam“ warnt jedoch: „Diese akuten Auswirkungen könnten zu langfristigen Schäden führen, wenn sie wiederholt auftreten. Ob dies zu Demenz beiträgt, bleibt ungewiss, doch die Ergebnisse sind wichtig für die Gestaltung künftiger Richtlinien zum Kopfballspiel im Fußball.“
Kleine Pilotstudie deutet auf längerfristige Effekte hin
Eine kleinere Studie aus dem Jahr 2025 liefert weitere Hinweise. Sechs Fußballspieler absolvierten zehn Kopfbälle unter Laborbedingungen. Mithilfe einer speziellen MRT-Untersuchung fanden Forscher Veränderungen in der weißen Hirnsubstanz, die noch bis zu sechs Monate später nachweisbar waren. Auch wenn diese Daten keinen Beweis für Demenz darstellen, legen sie nahe, dass die Auswirkungen von Kopfbällen möglicherweise länger anhalten können, als es die Blutwerte allein vermuten lassen.



