Von Berlin nach Indien: Krebs-Überlebender radelt 8000 Kilometer für Spenden
Krebs-Überlebender radelt 8000 Kilometer für Spenden

8000 Kilometer für die Krebsforschung: John Müllers abenteuerliche Radtour von Berlin nach Indien

John Müller, ein 26-jähriger Überlebender eines Ewing-Sarkoms, ist vor zwei Monaten in Berlin zu einer außergewöhnlichen Spendenradtour aufgebrochen. Sein Ziel: das Taj Mahal in Indien, über 8000 Kilometer entfernt. Was er auf dieser Reise erlebt hat, ist mehr als abenteuerlich. Unterwegs sammelt er Spenden für die Krebsforschung, insbesondere für die Children Cancer Foundation (CCF). Nach zwei strapaziösen Monaten ist Müller tief in Tadschikistan angelangt, rund 1000 Kilometer vor seinem Ziel. Er berichtet von eisigen Temperaturen, einem Sandsturm und extremer Hitze – doch die Herzlichkeit der Menschen in den elf durchreisten Ländern gibt ihm Kraft.

Der Start: Eisheilige und unzureichende Kleidung

Gleich zu Beginn der Tour, nach dem Start am Brandenburger Tor im Mai 2026, wurde Müller von den Eisheiligen überrascht. Für Minustemperaturen und Schnee hatte er nicht die richtige Kleidung eingepackt. „Ich bin dann trotzdem bis in die Nacht hinein gefahren, um meine 100 Kilometer täglich zu erreichen“, erzählt er der Morgenpost bei einem Telefonat aus Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans. Die Verbindung ist aufgrund der Entfernung abgehackt. „Ich trug meine einzige Hose, eine kurze Radlerhose, und dazu Kompressionsstrümpfe“, sagt John Müller. Trotz der widrigen Bedingungen ließ er sich nicht entmutigen und setzte seinen Weg fort.

Herausforderungen in Kasachstan: Sandsturm und Hitzeschock

In der kasachischen Steppe geriet Müller in einen heftigen Sandsturm. „36 Grad. Alles flog durch die Luft. Konnte mein Fahrrad nicht mehr sehen“, beschreibt er die Szene. Es folgte eine unerträgliche Hitzewelle mit 49 Grad Celsius. „Nirgends konnte ich stehenbleiben. Es fühlte sich an, als ob die Haut verbrennt. Nur der Fahrtwind kühlte ein wenig“, berichtet er. Der Radsportler trug ein langärmeliges Oberteil, das ihn vor Verbrennungen schützte. Nur alle 50 Kilometer fand er einen Schattenplatz. Diese extremen Bedingungen testeten seine körperliche und mentale Stärke, doch Müller blieb fokussiert auf sein Ziel.

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Gastfreundschaft und Begegnungen unterwegs

Die wichtigste Erkenntnis aus den elf Ländern, die er bisher durchfahren hat, ist die Herzlichkeit der Menschen. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen. In der Türkei, in Georgien, in Kasachstan“, so Müllers Resümee. In Sofia traf er einen der wenigen auf Sarkome spezialisierten Ärzte Bulgariens. Die Übernachtungsmöglichkeiten waren vielfältig: In Deutschland durfte er bei Krebspatienten in der Gartenlaube oder zu Hause schlafen. „In Österreich habe ich bei Ordensschwestern und Benediktiner-Mönchen gewohnt“, erzählt er. In Georgien und der Türkei nutzte er oft sein mitgebrachtes Zelt, aber auch Gesellschaftsräume von Moscheen. „Oft sind Menschen, die nichts haben, am gastfreundlichsten. Meine Erkenntnis dabei: Glück, das man teilt, verdoppelt sich.“

Motivation durch Krebspatienten und Spendenerfolg

Ein einziges Mal hatte Müller bisher einen Platten, in Bulgarien. Er reparierte das Loch mit Notfallspray und wechselte den Reifen später in Istanbul. Was ihn antreibt, sind die Krebspatienten, denen er begegnet. Ein kleiner Junge in Serbien zupfte an seinem T-Shirt und fragte mit Händen und Füßen: „Kann ich das auch schaffen?“ Da sei ihm das Herz aufgegangen. Müllers Motto: „Wenn es jemand von Chemo-Zyklus zu Chemo-Zyklus schaffen kann, dann schaffe ich es auch von Etappe zu Etappe.“ Der Spendenerfolg bestätigt ihn: „Als ich losgefahren bin, hatten wir 25.000 Euro erreicht. Mittlerweile haben wir knapp 50.000 Euro.“ Die Spenden gehen unter anderem an die Children Cancer Foundation, deren Botschafter er ist. Die CCF errichtet derzeit eine Dependance in Berlin.

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Bevorstehende Etappe: Afghanistan und weitere Ziele

In wenigen Tagen wird Müller nach Afghanistan einreisen, was er als „sehr spannend“ bezeichnet. „Nur weniger als 10.000 Menschen pro Jahr dürfen in Afghanistan einreisen“, erklärt er. Diese Herausforderung nimmt er gelassen. Seine Tour hat bereits durch Zeitungs- und TV-Berichte rund 50 Millionen Menschen erreicht und vor allem Krebspatienten Mut gemacht. Für die Zukunft plant Müller, weiterhin Spenden zu sammeln und auf die seltene Krebserkrankung aufmerksam zu machen. Interessierte können über seine Website „8000 Kilometer“ spenden. Der Ex-Volleyball-Profi Friedhelm Gruber, der die CCF 1997 gründete, und Unterstützer wie Stella Hinderer, die eine Sonnencreme entwickelte, sowie die Start-ups Holy und Langdock haben bereits großzügig beigetragen.