Günther Jürß, Patient mit follikulärem Lymphom, hat nach zwei Rückfällen und mehreren Chemotherapien eine CAR-T-Zelltherapie erhalten und zeigt sich optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass es jetzt vielleicht doch eine vollständige Heilung geben könnte.“ Die Behandlung an der Charité in Berlin verlief erfolgreich, und Jürß erholte sich deutlich schneller als nach den vorherigen Chemotherapien.
Diagnose und erster Krankheitsverlauf
Bei Günther Jürß wurde im Rahmen einer Routineuntersuchung ein follikuläres Lymphom diagnostiziert. Die Lymphknoten waren vergrößert, aber zunächst unter zwei Zentimetern. Medizinisch wurde abgewartet und in engen Abständen kontrolliert. Später wurde ein Knoten entfernt und histologisch untersucht, was die Diagnose bestätigte. Der Tumor wuchs langsam, sodass zunächst nur eine Beobachtung empfohlen wurde.
Kurz vor einer Urlaubsreise bestätigte die Onkologin noch einen stabilen Befund. Doch während der Reise entwickelte Jürß eine Thrombose, verursacht durch auf 4,7 Zentimeter angewachsene Lymphknoten in der Leiste, die den Blutrückfluss behinderten.
Erste Behandlung und Rückfall
Jürß wandte sich an die Charité, wo er bereits 2006 wegen einer ersten Krebserkrankung operiert worden war. Professor Bullinger leitete die Behandlung ein. Nach einer Chemotherapie folgte ein Jahr lang eine Erhaltungstherapie alle zwei Monate. Die letzte Dosis erhielt er im Januar 2021. „Das Jahr 2021 habe ich ohne große Probleme durchlebt. Das war eine schöne Zeit, weil ich mal ein bisschen zur Ruhe gekommen bin“, erinnert sich Jürß.
Doch 2022 kehrte der Krebs zurück. Knoten in der Achselhöhle machten sich bemerkbar. Ein CT zeigte Knoten im Thorax und Abdomen in vielen Größenordnungen. Trotz Entfernung eines Knotens entwickelte sich im Mai 2023 ein neuer Knoten im Halsbereich. Jürß musste seine Reha abbrechen, weil er an Covid erkrankte.
Zweite Chemotherapie und erneuter Rückfall
Eine erneute Chemotherapie schwächte Jürß massiv. „Ich war so schwach, ich kam nicht einmal mehr aus der Badewanne. Ich hatte keine Kraft mehr, konnte auch nicht gut laufen“, beschreibt er die Zeit. Sein täglicher Weg war nur noch bis zum Kanal Warnemünde und zurück, und selbst das bereitete Schwierigkeiten. „Am Ende hat alles nicht genutzt, der Krebs ist trotz Chemotherapien zweimal zurückgekommen.“
Als das zweite Rezidiv feststand, war Jürß emotional schwer getroffen. „Was wird jetzt aus Dir? Du bist jetzt schon so weit, so viele Chemos und kein Erfolg.“ Er vereinbarte einen Termin bei Professor Nah, die ihm die Option einer CAR-T-Zelltherapie vorschlug. „Da war ich eigentlich ein bisschen erleichtert. Ich wusste, was das für eine Therapie ist. Ich hatte die Gegenüberstellung Chemo- und CAR-T-Zelltherapie und war eigentlich optimistisch und voller Hoffnung.“
Die CAR-T-Zelltherapie: Ablauf und Erfolg
Die Vorbereitung auf die CAR-T-Zelltherapie dauerte drei Monate, die Jürß als „Canossa-Gang“ beschreibt. Die Therapie umfasste das Absammeln seiner Immunzellen über Apherese, die gentechnische Veränderung der Zellen und schließlich die Rückgabe per Infusion. Vor der Infusion erhielt er noch eine Chemotherapie. Insgesamt verbrachte er 17 Tage in der Charité, unterstützt von seiner Frau, die ihn aus Rostock besuchte.
„Nach der CAR-T-Zelltherapie bin ich viel, viel schneller wieder auf die Beine gekommen, als nach den Chemotherapien. Das hat mir sehr viel Hoffnung gemacht“, so Jürß. Er war von Anfang an überzeugt, dass die Therapie funktionieren würde. „Ich war überzeugt und positiv, dass das funktionieren wird. Und muss. So muss man auch die Einstellung dazu haben. Und es hat sich ja gezeigt, dass es geklappt hat.“
Dennoch bleiben Ängste: „Man muss seinen Körper immer wieder abtasten und immer wieder schauen: Wie geht es dir? Geht es dir schlecht? Das werde ich ein Leben lang immer im Hinterkopf haben. Kommt es noch mal wieder?“
Ausblick und neue Lebensfreude
Jürß ist positiv eingestellt und möchte nun auch etwas für seine Frau tun, die die Jahre der Krankheit sehr mitgemacht hat. „Nächstes Jahr wollen wir noch mal nach Norwegen, das haben wir uns schon immer vorgenommen. Eine wunderschöne Gegend.“ Professor Penack von der Charité riet ihm: „Herr Jürß, Sie müssen mal den Kopf frei kriegen von Ärzten und allem, Sie müssen mal wieder richtig leben.“ Dem schließt sich Jürß an.



