Neues Lungenkrebs-Screening für Risikogruppen
Seit April dieses Jahres haben starke Raucherinnen und Raucher die Möglichkeit, ihre Lunge untersuchen zu lassen. Wer Anspruch darauf hat und wie es genau funktioniert, erklären Experten. Rund 5,5 Millionen Menschen in Deutschland gehören zur Zielgruppe des neuen Screenings, das die Überlebenschancen bei Lungenkrebs deutlich verbessern soll.
Wer ist berechtigt?
Die Früherkennungsuntersuchung ist risikoadaptiert und wird von den gesetzlichen Krankenkassen für eine genau definierte Personengruppe übernommen. Berechtigt sind Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang geraucht haben – unabhängig davon, ob sie noch rauchen oder vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben. Der Tabakkonsum muss mindestens 15 Packungsjahre betragen. Ein Packungsjahr entspricht dem täglichen Konsum von 20 Zigaretten über ein Jahr. Kettenraucher erreichen diese Grenze schneller, während Gelegenheitsraucher langsamer sammeln.
Warum ist das Screening wichtig?
Lungenkrebs gehört zu den häufigsten und gefährlichsten Tumorerkrankungen in Deutschland. Jährlich wird bei 57.000 Menschen die Diagnose gestellt, über 35.000 sterben daran. Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Im Frühstadium verursacht Lungenkrebs jedoch meist keine Beschwerden. Die Computertomografie (CT) kann selbst kleine Tumore sichtbar machen. Das Low-Dose-CT geht mit einer geringen Strahlenbelastung einher, aber bei starken Rauchern überwiegt der Nutzen gegenüber dem Risiko.
Ablauf und Begleitmaßnahmen
Das Screening umfasst eine jährliche CT-Untersuchung. Zusätzlich wird allen Teilnehmern eine professionelle Rauchentwöhnung angeboten. Die Lungenfachärztin Katrin Pilz betont: „Ich finde dieses Programm unglaublich wichtig und wünsche ihm hohe Beteiligung.“ Sie hat bereits viele Berechtigte beraten und zur CT an die Charité überwiesen. „Es sind beschwerdefreie Menschen, daher sind die Anforderungen an den Strahlenschutz besonders hoch“, erklärt sie.
Nutzen und Risiken
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Zahlen aufgeschlüsselt: Bei 1000 Screening-Teilnehmern wird im Schnitt bei zwölf Personen Lungenkrebs diagnostiziert. 220 Personen werden wegen Auffälligkeiten erneut untersucht, bei 26 werden Gewebeproben entnommen. Falsch-positive Befunde und Überdiagnosen sind Nachteile. Demgegenüber stehen fünf bis sechs von 1000 starken (Ex-)Rauchern, die durch die Früherkennung vor dem Tod bewahrt werden. Aktuelle Studien zeigen, dass eine verfeinerte Vorauswahl noch mehr Leben retten könnte.
Internationale Erfahrungen
Länder wie Kanada, Australien, Polen, Kroatien und Großbritannien bieten bereits seit Jahren ähnliche Screenings an. Teilweise werden gezielte Einladungen verschickt, was allerdings die Erfassung von Rauchdaten durch Hausärzte voraussetzt. In Deutschland müssen Berechtigte selbst aktiv werden, um das Programm zu nutzen.
Kostenaspekte
Der Pneumologe Tim Hirche betont, dass das Screening nicht nur Überlebenschancen verbessert, sondern langfristig auch Kosten vermeidet, die durch späte Krankheitsstadien entstehen. Neue Angebote der Krankenkassen führen also nicht automatisch zu höheren Ausgaben.



