Carola und Markus Weber stehen am Grab ihrer Tochter Mara. Die 17-Jährige benötigte dringend ein neues Herz, doch das rettende Organ kam nicht rechtzeitig an. „Mara starb, weil sie zu lange auf ein Spenderherz warten musste“, sagt ihre Mutter Carola. Die Familie ist überzeugt: In einem anderen Land wäre die Transplantation schneller erfolgt und Mara hätte überlebt.
Ein letzter schöner Geburtstag
Wenn Carola und Markus Weber von Mara erzählen, kehren ihre Gedanken oft zu den unbeschwerten Momenten zurück. Besonders ihr 17. Geburtstag ist ihnen lebhaft in Erinnerung geblieben. „Es war ein so schöner Tag, voller Liebe und Lachen“, erinnert sich Carola. Familie und Freunde waren in Siegen zusammengekommen, um Mara einen unvergesslichen Tag zu bereiten – genau so, wie die Jugendliche es sich gewünscht hatte. „Mara fand es immer toll, von ihren liebsten Menschen umgeben zu sein. Sie hatte richtig viel Spaß an diesem Tag“, sagt ihr Vater Markus. Es sollte Maras letzter Geburtstag werden, doch damals ahnte noch niemand etwas davon.
Herzfehler spät entdeckt
Maras Herzfehler wurde erst entdeckt, als sie 15 Jahre alt war. Bis dahin war sie ein gesundes, lebensfrohes Mädchen gewesen. Die Diagnose traf die Familie völlig unerwartet. Fortan bestimmte die Warteliste für ein Spenderherz den Alltag der Webers. Monatelang hofften sie auf ein passendes Organ, doch die Zeit lief gegen Mara. „Wir haben jeden Tag gehofft, dass ein Anruf kommt. Aber es kam keiner“, berichtet Markus Weber. Die Enttäuschung und die Angst wuchsen mit jedem verstreichenden Tag.
Systemversagen bei der Organspende?
Die Eltern sind sich sicher, dass Mara in einem anderen Land eine bessere Überlebenschance gehabt hätte. „In Ländern wie Österreich oder Spanien sind die Wartezeiten für Spenderorgane deutlich kürzer“, erklärt Carola Weber. „Dort gibt es eine höhere Spendebereitschaft und effizientere Systeme.“ In Deutschland hingegen ist die Zahl der Organspenden im internationalen Vergleich niedrig. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warteten im Jahr 2025 rund 8.500 Menschen auf ein Spenderorgan, während nur etwa 900 Spender zur Verfügung standen. Die Wartezeit für ein Herz beträgt im Durchschnitt ein bis zwei Jahre – für viele Patienten ist das zu lang.
Der Kampf um ein neues Herz
Mara wurde im Klinikum der Universität Köln behandelt, einem der führenden Zentren für Herztransplantationen in Deutschland. Die Ärzte taten alles Menschenmögliche, um sie am Leben zu erhalten. Mehrmals wurde sie notfallmäßig behandelt, als sich ihr Zustand verschlechterte. Doch ohne ein neues Herz waren die Chancen gering. „Wir haben bis zum Schluss gehofft. Aber irgendwann wurde uns klar, dass die Zeit nicht reicht“, sagt Markus Weber mit brüchiger Stimme. Als Mara schließlich starb, war die Familie am Boden zerstört.
Vorwürfe an die Politik
Die Webers erheben nun Vorwürfe gegen die deutsche Gesundheitspolitik. „Es kann nicht sein, dass junge Menschen sterben, weil es nicht genügend Organspender gibt“, kritisiert Carola Weber. „Die Politik muss endlich handeln und die Rahmenbedingungen verbessern.“ Sie fordern eine Reform des Transplantationsgesetzes, um die Spendebereitschaft zu erhöhen. Dazu gehören eine bessere Aufklärung der Bevölkerung, die Einführung einer Widerspruchslösung und mehr Unterstützung für Krankenhäuser bei der Organentnahme. „Jeder Einzelne kann durch einen Organspendeausweis Leben retten. Wir appellieren an alle: Trefft eine Entscheidung und teilt sie euren Angehörigen mit“, appelliert Markus Weber.
Ein Leben ohne Mara
Der Verlust von Mara hat eine tiefe Lücke in das Leben der Familie gerissen. „Wir vermissen sie jeden Tag. Ihr Lachen, ihre Energie, ihre Art, das Leben zu genießen“, sagt Carola Weber. Die Eltern versuchen, mit der Trauer umzugehen, indem sie sich für das Thema Organspende einsetzen. Sie haben eine Initiative gegründet, die über die Bedeutung der Organspende informiert und Menschen dazu motiviert, einen Spenderausweis zu besitzen. „Mara ist gestorben, aber vielleicht können wir durch unseren Einsatz andere Leben retten“, hofft Markus Weber.



