Rund ein Viertel aller Migränepatienten erlebt vor den Kopfschmerzen eine Aura – und diese Form der Migräne birgt ein verdoppeltes Schlaganfallrisiko. Darauf weist Prof. Dr. Christian Maihöfner, Migräne-Experte der Deutschen Hirnstiftung und Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Fürth, hin. Die Aura zeigt sich durch Sehstörungen wie helle Schleier, aber auch durch eingeschränktes Gefühl oder Sprachprobleme, die meist innerhalb einer Stunde abklingen.
Was ist eine Migräne-Aura?
„Aura ist nach der griechischen Göttin der Morgenbrise benannt“, erklärt Maihöfner. Die Symptome entstehen durch einen elektrischen Impuls im hinteren Bereich der Großhirnrinde, der sich langsam – etwa drei bis sechs Millimeter pro Minute – nach vorne bewegt. Nach der intensiven Erregung der Nervenzellen folgt eine Phase der Unterfunktion, die die Aura-Symptome auslöst.
Weiße Marklagerveränderungen im MRT
Bei etwa einem Drittel der Menschen mit Migräne mit Aura zeigen sich im MRT feine Unterschiede im Gehirn, sogenannte weiße Marklagerveränderungen, umgangssprachlich „Migräneläsionen“. Diese sind laut Maihöfner „klinisch stumm“: „Nach allem, was man weiß, gibt es keine Einschränkungen des Gedächtnisses oder der Aufmerksamkeit, überhaupt keine kognitiven Verschlechterungen.“ Sie seien nicht gefährlich und hätten ihren Ursprung in einer Veranlagung zu Durchblutungsstörungen.
Verdoppeltes Schlaganfallrisiko
„Man weiß aus Studien, dass Patienten mit Migräne mit Aura ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko haben“, sagt Maihöfner. Das Risiko sei im Vergleich zu Kontrollgruppen ohne Migräne mit Aura verdoppelt. Dennoch müssten Betroffene keine große Angst haben: „Es ist kein starker Risikofaktor.“ Zum Vergleich: Ein schlecht eingestellter Bluthochdruck (Hypertonus) erhöht das Risiko um den Faktor bis zu 10. Bluthochdruck betrifft laut Deutscher Hochdruckliga rund 20 Millionen Bundesbürger zwischen 30 und 79 Jahren.
Weitere Risikofaktoren und Prävention
Rauchen erhöht das Schlaganfallrisiko um das Drei- bis Sechsfache, abhängig von der Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten. Auch die Pille als Verhütungsmittel erhöht das Risiko um den Faktor 1,7 bis 2,3. Maihöfner betont: „Vor allem sollte man dafür sorgen, dass man modifizierbare Faktoren angeht.“ Das bedeutet, das Risiko durch andere beeinflussbare Faktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck möglichst zu minimieren.



