Studie: Niedriger Blutdruck erhöht Alzheimer-Risiko deutlich
Niedriger Blutdruck: Alzheimer-Risiko fast dreifach erhöht

Bislang galt Bluthochdruck als einer der Hauptrisikofaktoren für Alzheimer. Doch eine neue groß angelegte Studie rückt nun einen anderen Blutdruckwert in den Fokus: den niedrigen Blutdruck, medizinisch Hypotonie genannt. Forscher der Michigan Technological University, der US-Gesundheitsbehörde NIH und der American Heart Association haben Daten von insgesamt 789.144 Menschen aus zwei großen Gesundheitsdatenbanken ausgewertet – der britischen UK Biobank und dem US-amerikanischen All of Us Research Program. Die Ergebnisse wurden im „Journal of the American Heart Association“ veröffentlicht.

Hypotonie: Stärkster Zusammenhang mit Alzheimer

Das auffälligste Ergebnis der Untersuchung: Niedriger Blutdruck zeigte die stärkste und konstanteste Verbindung zu Alzheimer. In der britischen Kohette hatten Menschen mit Hypotonie 2,74-mal häufiger Alzheimer als Vergleichspersonen. In der US-Kohorte war das Risiko immerhin fast doppelt so hoch. Die Forscher betonen jedoch, dass sie nicht eindeutig klären konnten, ob der niedrige Blutdruck der Alzheimer-Erkrankung vorausgeht oder ob die Demenz den Blutdruck negativ beeinflusst. Beide Richtungen seien denkbar.

Weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich

Neben der Hypotonie untersuchten die Wissenschaftler neun weitere häufige Herz-Kreislauf-Erkrankungen:

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  • Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen: Beide waren über beide Kohorten hinweg mit einem rund 1,5-fach erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden.
  • Hirninfarkt: In der US-Kohorte zeigte sich hier eine stärkere Verbindung zu Alzheimer als bei Bluthochdruck, allerdings immer noch schwächer als bei Hypotonie.
  • Herzinsuffizienz und chronisch ischämische Herzkrankheiten: Auch diese Erkrankungen waren signifikant mit Alzheimer assoziiert.
  • Akute Herzinfarkte und chronisch rheumatische Herzkrankheiten: Für diese fanden die Forscher keinen signifikanten direkten Zusammenhang mit Alzheimer.

Ethnische Unterschiede und klinische Bedeutung

Interessanterweise zeigte sich der starke Zusammenhang zwischen Hypotonie und Alzheimer vor allem bei weißen Teilnehmern. Bei schwarzen und hispanischen Probanden blieb dagegen Bluthochdruck der wichtigste mit Alzheimer verbundene Risikofaktor. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass niedriger Blutdruck bei jungen Menschen oft als harmlos gilt, im höheren Alter jedoch ein ernst zu nehmendes Warnsignal für die Hirngesundheit sein kann. Ob eine Behandlung des niedrigen Blutdrucks das Alzheimer-Risiko senken kann, müssen weitere Studien zeigen.

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