Die Techniker Krankenkasse (TK) hat für das vergangene Jahr einen deutlichen Anstieg der Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler unter ihren Berliner Versicherten gemeldet. Insgesamt 789 Versicherte wandten sich mit entsprechenden Vorwürfen an die Kasse, was einem Zuwachs von 113 Fällen oder knapp 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die TK zählt in der Hauptstadt mehr als eine Million Versicherte.
Chirurgie und Zahnmedizin besonders betroffen
Die meisten Meldungen entfielen auf den Bereich Chirurgie: Mit 23 Prozent betraf fast jeder vierte gemeldete Fall diese Facharztgruppe. An zweiter Stelle stand die Zahnmedizin einschließlich Kieferchirurgie mit 20 Prozent. Dahinter folgen Geburtshilfe und Gynäkologie mit zehn Prozent sowie vermutete Pflegefehler mit neun Prozent.
Formelle Überprüfung in jedem dritten Fall
In etwa einem Drittel der Fälle verdichteten sich die Hinweise so weit, dass die Kasse eine formelle Überprüfung einleitete, beispielsweise durch ein Gutachten des Medizinischen Dienstes. Die TK betont, dass die Dunkelziffer sehr hoch sei, da viele Betroffene Fehler gar nicht erkennen oder ihre Krankenkasse nicht einschalten.
Susanne Hertzer, Leiterin der TK in Berlin und Brandenburg, plädierte für eine „offene Fehlerkultur“ im Umgang mit medizinischen Fehlern. Fehler könnten in der Medizin „besonders schlimme Folgen haben“, sagte sie. Patienten bräuchten daher dringend professionelle Unterstützung, wenn sie einen Fehler vermuten.
Forderung nach bundesweitem Melderegister
Die TK spricht sich für ein bundesweit einheitliches Melderegister für Behandlungsfehler aus. Bislang erfassen Ärztekammern, der Medizinische Dienst und die Krankenkassen die Fälle in getrennten Registern. Zahlen anderer gesetzlicher Krankenkassen liegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor.



