Die aktuelle Hitzewelle in Deutschland steuert auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius am Freitag. Doch nicht nur die glühende Tageshitze ist gefährlich: Eine neue Studie des Helmholtz-Zentrums für Gesundheit und Umwelt in München belegt, dass auch warme Sommernächte, sogenannte Tropennächte, lebensbedrohlich sein können. Die Forscher um Dr. Alexandra Schneider fanden heraus, dass nächtliche Hitze das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall um sieben Prozent erhöht.
Was ist eine Tropennacht?
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert eine Tropennacht als eine Nacht, in der die Lufttemperatur zwischen 18 und 6 Uhr nicht unter 20 Grad Celsius fällt. In Deutschland war dies im langjährigen Mittel von 1981 bis 2010 an den meisten Stationen weniger als einmal pro Jahr der Fall. Doch durch den Klimawandel nehmen heiße Sommer und damit auch Tropennächte zu. So registrierte der DWD im Jahr 2015 an den Stationen Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) und Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) 13 Tropennächte, in Frankfurt/Main-Westend (Hessen) waren es zwölf. Auch 2023 gab es laut Umweltbundesamt (UBA) in Teilen Deutschlands bis zu acht Tropennächte, vor allem im Südwesten.
Studie: Nächtliche Hitze und Schlaganfallrisiko
Die Forscher des Helmholtz-Zentrums nutzten für ihre Analyse einen noch strengeren Maßstab als der DWD: den „Hot Night Excess Index“ (HNE). Dieser misst, wie stark die nächtlichen Temperaturen über einen Schwellenwert steigen, der an den wärmsten Nächten des Untersuchungszeitraums orientiert ist. In der Studie lag dieser Wert bei 14,6 Grad Celsius. Temperaturen darüber wurden als Tropennacht gewertet. Das Team analysierte Daten der Neurologie am Uniklinikum Augsburg, die von 2006 bis 2020 rund 11.000 Schlaganfälle erfasst hatten. Die Auswertung zeigte: Nächtliche Hitze erhöht das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall um sieben Prozent. Ein ischämischer Schlaganfall, auch Hirninfarkt genannt, wird meist durch eine Blockade einer Arterie ausgelöst, die das Gehirn mit Blut versorgt.
„Insbesondere ältere Menschen und Frauen sind gefährdet, wobei in den Kliniken nach heißen Nächten vor allem Schlaganfälle mit milden Symptomen diagnostiziert werden“, sagt Studienautor Dr. Cheng He. Jährlich erleiden etwa 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Weltweit sind Schlaganfälle die zweithäufigste Todesursache und machen 6,6 Prozent aller Todesfälle aus.
Warum sind Tropennächte so gefährlich?
Das UBA betont, dass Hitze vor allem das Herz-Kreislauf-System belastet. Besonders problematisch seien heiße Tage in Kombination mit Tropennächten, da der Körper sich wegen fehlender Nachtabkühlung nicht ausreichend erholen könne. Dr. Alexandra Schneider erklärt die Mechanismen: „Erhöhte Blutviskosität während einer heißen Nacht fördert die Bildung von Blutgerinnseln und verringert die Effizienz der Durchblutung.“ Faktoren wie Dehydrierung, also Flüssigkeitsmangel, eine höhere Zähflüssigkeit des Blutes sowie Veränderungen der Blutgefäßfunktion tragen demnach zum erhöhten Schlaganfallrisiko bei.
Forderung nach Präventionsstrategien
Aus den Studienergebnissen wollen die Forscher nun Empfehlungen ableiten, um etwa das Problem städtischer Hitzeinseln zu verkleinern. Ziel sei es, die Bevölkerung besser vor den Folgen nächtlicher Hitze zu schützen. Zudem könne die Studie als Grundlage für eine verbesserte Schlaganfall-Prävention dienen. „Je früher diese Präventionsmaßnahmen zum Einsatz kommen, desto besser“, so Schneider. Angesichts des Klimawandels, der die Zahl der Tropennächte weiter steigen lässt, wird die Anpassung an extreme Hitze immer dringlicher.



