Beim siebten „Vision Zero“-Summit im Berliner Axel-Springer-Hochhaus kamen führende Köpfe aus Krebsmedizin, Forschung, Industrie und Politik zusammen, um Strategien zu entwickeln, die Zahl vermeidbarer Krebstodesfälle auf null zu reduzieren. Das ambitionierte Ziel: Kein einziger vermeidbarer Krebstod soll mehr als statistische Normalität hingenommen werden.
„Null vermeidbare Krebstote – das ist das Ziel“
Prof. Christof von Kalle, renommierter Onkologe, machte deutlich: „Vision Zero bedeutet nicht die Illusion einer Welt ohne Krebs. Es geht darum, vermeidbare Krebstodesfälle nicht länger als gegeben zu akzeptieren.“ Er zog einen Vergleich zur Verkehrssicherheit, wo durch systemische Veränderungen die Zahl der Todesfälle drastisch gesenkt wurde. In der Krebsmedizin sieht er eine Revolution durch Präventionsforschung und Digitalisierung, die sicherstellt, dass Wissen bei den Patienten ankommt.
Staatssekretär warnt: Krebs bleibt größte Bedrohung
Georg Kippels, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, betonte die Dringlichkeit: 518.000 Neuerkrankungen und rund 230.000 Todesfälle jährlich in Deutschland. Doch gleichzeitig wachse die Hoffnung: „Wir erleben eine nie dagewesene Dynamik in der Krebsmedizin.“ Personalisierte Impfstoffe, zielgerichtete Gentherapien und neuartige Antikörperwirkstoffe böten neue Chancen, besonders für Patienten, bei denen herkömmliche Therapien versagen. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung treiben diese Entwicklung zusätzlich voran.
Kritik an Bürokratie und Forderung nach mehr Innovation
Prof. Michael Hallek, einer der führenden Onkologen Deutschlands, kritisierte die hohe Bürokratie, die klinische Forschung behindere. „Wir werden täglich behindert, klinische Forschung zu machen“, warnte er. Er forderte radikale Entlastungen, bessere Bedingungen für Investitionen und Start-ups sowie eine funktionierende Gesundheitsdaten-Infrastruktur. Nur wenn Forschung, Wirtschaft und Politik enger zusammenarbeiten, könne Deutschland seine Abhängigkeit von Medikamentenimporten reduzieren und wieder stärker selbst Innovationen hervorbringen.
Präventionsprojekt in Schulen gewinnt „Vision Zero“-Award
Der diesjährige „Vision Zero“-Award, dotiert mit 10.000 Euro und unterstützt von t-online, ging an die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung (ÄGGF) für ihr Projekt „Prävention beginnt in der Schule“. Die Initiative setzt auf Aufklärung über Humane Papillomviren (HPV), die jährlich zu 10.500 Krebserkrankungen in Deutschland führen. Dr. Anne Högemann nahm den Preis entgegen und betonte: „Wir haben Zeit, um aufzuklären, Unsicherheiten abzubauen und echte Gespräche zu führen.“
Telefonsprechstunde mit Top-Experten
Zum Abschluss des Summits lädt BILD am Mittwoch, den 17. Juni, von 10 bis 12 Uhr zu einer Telefonsprechstunde mit führenden Krebsmedizinern ein. Zusätzlich beantwortet Prof. Stefan Kasper-Virchow in einer Videosprechstunde Fragen. Interessierte können sich per E-Mail an sprechstunde@bild.de wenden.



