Am Anfang jeder Medikamentenentwicklung steht die Forschung, am Ende fast immer ein Pharmaunternehmen, das den neuen Therapieansatz produziert und vertreibt. Dazwischen sind zahlreiche engagierte Forscher, Ärztinnen und Patienten nötig – alles Teile eines Systems, das sich über Jahrzehnte entwickelt hat und das wohl niemand als ideal bezeichnen würde.
Systemkritik aus der Praxis
Die einen kritisieren die Menge der behördlichen Vorgaben, die medizinische Innovation behinderten. Andere sehen einen systemischen Fehler darin, dass fast ausschließlich Therapien für häufige Krankheiten entwickelt werden, die sich marktwirtschaftlich rechnen. Patienten mit seltenen oder in ärmeren Ländern verbreiteten Erkrankungen blieben hingegen vernachlässigt. Vielen Beteiligten dauert die Entwicklung nicht nur zu lange, sondern sie produziert auch viel zu teure Arzneien, die von den Gesundheitssystemen kaum noch finanzierbar sind.
Fragen, die über Leben und Tod entscheiden
Diese Probleme entscheiden am Ende über das Leben, die Gesundheit oder das Leiden und den Tod von Patienten. Was könnten die Lösungen sein? Wie können Therapien in Deutschland entwickelt werden und sowohl den Patienten als auch der Pharmawirtschaft zugutekommen – und nicht nur in den USA?
Expertengespräch zur Zukunft der Krebsforschung
Der Tagesspiegel hat dazu mit dem Mediziner und Krebsforscher Armin Rehm vom Max-Delbrück-Center in Berlin-Buch, dem Onkologen und Translationsmediziner Lars Bullinger, Leiter der Tumorimmunologie der Charité, sowie Anne Kerber gesprochen. Kerber ist Onkologin und als Senior Vice President Leiterin der Abteilung Entwicklung für Hämatologie, Onkologie und Zelltherapie beim US-amerikanischen Pharmaunternehmen Bristol Myers-Squibb (BMS).
Was sich ändern muss
Die Experten sind sich einig: Deutschland hat exzellente Grundlagenforschung, doch es fehlt an der Translation in die klinische Anwendung. Bürokratische Hürden, fehlende Risikokapitalinvestitionen und eine zu geringe Zusammenarbeit zwischen akademischer Forschung und Industrie werden als Hauptgründe genannt. Um den Standort zu stärken, müssten Genehmigungsverfahren beschleunigt und finanzielle Anreize für innovative Therapien geschaffen werden. Nur so könnten mehr Patienten in Deutschland von den neuesten Behandlungen profitieren und die Pharmaindustrie hierzulande wettbewerbsfähig bleiben.



