Berliner soll 14 Frauen betäubt und vergewaltigt haben – Anklage erhoben
Berliner soll 14 Frauen betäubt und vergewaltigt haben

Anklage gegen 68-Jährigen: 22 Fälle von Vergewaltigung und Körperverletzung

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat einen 68-jährigen Mann wegen des Verdachts der mehrfachen Vergewaltigung und gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Laut der Anklageschrift soll der Beschuldigte zwischen 2016 und 2022 in Berlin mindestens 14 Frauen mit Schlafmitteln betäubt, sexuell missbraucht und die Taten gefilmt haben. Die Ermittler gehen jedoch von einer deutlich höheren Opferzahl aus: Insgesamt fanden sich auf dem Handy des Angeklagten Hinweise auf bis zu 58 mögliche Opfer. Das Verfahren umfasst zunächst 22 Fälle mit 14 identifizierten Frauen, aber weitere Ermittlungen laufen.

Vorgehensweise: Betäubung über alkoholische Getränke

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft mischte der Mann die Schlafmittel in alkoholische Getränke, die er den Frauen bei Treffen verabreichte. Die Opfer wurden dadurch wehrlos und konnten sich später oft nicht an die Taten erinnern. Die Beamten fanden auf dem Handy des Beschuldigten zahlreiche Videos, die die Missbrauchshandlungen dokumentierten. Die Frauen lernte der Angeklagte über Online-Dating-Plattformen kennen. Bei Befragungen gaben viele Betroffene an, sich nicht an intime Kontakte erinnern zu können – erst durch die Videoaufnahmen erfuhren sie von den mutmaßlichen Vergewaltigungen.

Ermittlungen zu 30 weiteren Opfern

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit zu 30 weiteren mutmaßlichen Opfern. In drei Fällen habe sich kein hinreichender Tatverdacht ergeben, ein weiteres Verfahren wurde wegen fehlenden Nachweises einer „Gewaltanwendung“ eingestellt. Zehn Frauen konnten bislang nicht identifiziert werden. Der Angeklagte wurde im März 2026 in Untersuchungshaft genommen.

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Entdeckung durch Hinweis aus Niedersachsen

Die Ermittlungen begannen, nachdem die Berliner Justiz einen Hinweis der Polizei in Verden an der Aller (Niedersachsen) erhalten hatte. Dort war gegen einen verstorbenen mutmaßlichen Vergewaltiger ermittelt worden. Auf dessen Telefon fanden die Behörden Chatverläufe mit dem jetzt angeklagten Berliner. Diese Spur führte zur Durchsuchung der Wohnung des 68-Jährigen und zur Sicherstellung seines Handys, auf dem sich die belastenden Videos befanden.

Staatsanwaltschaft fordert Sicherungsverwahrung

Neben einer Verurteilung strebt die Staatsanwaltschaft die Anordnung von Sicherungsverwahrung an. Der Angeklagte hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert; es gilt die Unschuldsvermutung. Die Behörde betont, dass die Taten ein hohes Maß an krimineller Energie und Gefährlichkeit zeigen.

Hintergrund: Serie von Betäubungsvergewaltigungen in Berlin

Die Berliner Justiz befasst sich derzeit mit mehreren ähnlichen Fällen. So soll ein 39-Jähriger erneut vor Gericht kommen, nachdem er bereits zweimal wegen Vergewaltigung verurteilt wurde. Auch ihm wird vorgeworfen, junge Frauen heimlich mit Betäubungsmitteln wehrlos gemacht und missbraucht zu haben. In einem weiteren Verfahren geht es um acht in Deutschland lebende Chinesen, die sich in einer Chatgruppe über Sexualverbrechen an bewusstlosen Frauen austauschten – inklusive Anleitungen zur Betäubung.

Begriff „soumission chimique“ bekannt durch Fall Gisèle Pelicot

In Frankreich werden solche Taten als „soumission chimique“ (chemische Unterwerfung) bezeichnet. Der Begriff wurde durch den Fall Gisèle Pelicot bekannt, deren Ehemann sie jahrelang unbemerkt betäubte und von fremden Männern vergewaltigen ließ. Die Berliner Fälle zeigen, dass dieses Phänomen auch in Deutschland verbreitet ist und die Justiz vor große Herausforderungen stellt.

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