Die Zahl der registrierten Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern ist im Jahr 2025 erneut gestiegen. Gleichzeitig nimmt die Polizei eine alarmierende Entwicklung im Internet wahr: Künstliche Intelligenz (KI) eröffnet Tätern neue Möglichkeiten. Besonders dramatisch: Bei jugendpornografischen Inhalten wurde ein neuer Höchststand erreicht. Das geht aus dem sogenannten Bundeslagebild des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, das BILD exklusiv vorliegt.
Anstieg der Missbrauchsfälle um 4,7 Prozent
Die Zahlen des Bundeskriminalamts sind alarmierend: 2025 wurden bundesweit 17.126 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern registriert – ein Anstieg von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Polizei erfasste dabei 18.736 Opfer, 3,6 Prozent mehr als 2024. Die große Mehrheit der Opfer war zwischen 6 und 13 Jahre alt. 74 Prozent der Opfer waren Mädchen, 26 Prozent Jungen. Dass die Opferzahl höher ist als die Zahl der Fälle, liegt unter anderem daran, dass bei einem Fall mehrere Kinder betroffen sein können.
Cybergrooming: Täter nutzen Internet gezielt
Besonders brisant: In 54 Prozent der Fälle kannten sich Opfer und Tatverdächtiger bereits. In 30 Prozent der Fälle nicht. Das BKA vermutet dahinter häufig Grooming – Täter sprechen Kinder gezielt im Internet an, um sexuelle Kontakte anzubahnen. In 16 Prozent der Fälle ist das Verhältnis zwischen Täter und Opfer völlig unbekannt. Cybergrooming ist oft schwer zu erkennen. Täter manipulieren Kinder gezielt und auf unterschiedliche Weise.
Jugendpornografische Inhalte erreichen Höchststand
Besonders deutlich ist die Entwicklung bei jugendpornografischen Inhalten: 11.515 Fälle wurden 2025 registriert. Das entspricht einem Anstieg von 19,9 Prozent – und einem neuen Höchststand. Die Zahl der Tatverdächtigen stieg ebenfalls kräftig: 9967 Personen wurden erfasst, 15,4 Prozent mehr als 2024. Auffällig ist dabei das Alter der Tatverdächtigen: Mehr als die Hälfte war minderjährig, darunter allein 4617 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren.
Neue Gefahr: Missbrauch mit Künstlicher Intelligenz
Für die Ermittler wird die technische Entwicklung zu einer immer größeren Herausforderung. Das Bundeskriminalamt warnt vor dem Missbrauch von Anwendungen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Täter können damit reale Bilder und Videos manipulieren, sogenannte Deepfakes erstellen oder mithilfe sogenannter Nudifying-Apps Menschen scheinbar nackt darstellen. Besonders perfide an der Sache: Mit KI lassen sich vorhandene Missbrauchsdarstellungen immer wieder verändern – die betroffenen Kinder und Jugendlichen werden so erneut zu Opfern.
Das BKA stellt klar: „Die psychischen Folgen und die emotionalen Belastungen für Betroffene sind in ihrer Schwere mit denen direkter physischer sexualisierter Gewalterfahrungen vergleichbar.“ Die Botschaft der Ermittler ist eindeutig: Der Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen muss sich zunehmend auch im digitalen Raum abspielen. Denn mit der rasanten Entwicklung von KI wachsen nicht nur die Möglichkeiten der Polizei – sondern auch die der Täter.



