Block-Prozess: Ein Jahr voller Fragen – Wer entführte die Kinder?
Block-Prozess: Ein Jahr voller Fragen – Wer entführte die Kinder?

Am 11. Juli 2025 begann am Landgericht Hamburg der spektakuläre Prozess um die Entführung der Kinder der Unternehmerin Christina Block. 63 Verhandlungstage später ist noch immer ungeklärt, wer den Auftrag gab: die Mutter selbst, der Familienanwalt, eine andere Person oder handelten die Täter auf eigene Faust? Die zentrale Frage bleibt: Wer sagt die Wahrheit?

Der Prozessverlauf und offene Fragen

63 Prozesstage sind vergangen, Dutzende Zeugen wurden befragt, und Verteidiger sowie Nebenklage stellten unzählige Anträge. Sechs der sieben Angeklagten weisen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Der Vorwurf der Lüge wurde von verschiedenen Seiten mehrfach erhoben. Nach mehr als zwei Wochen Pause soll der Prozess Ende Juli mit der Befragung einer forensisch-jugendpsychiatrischen Sachverständigen fortgesetzt werden. Das mit Spannung erwartete Gutachten soll klären, wie stark die seelischen Folgen der Entführung für die Kinder sind.

Die Angeklagten und ihre Rollen

Christina Block (53), der langjährige Familienanwalt Andreas Costard (64) und ein 36-jähriger Israeli sind die Hauptangeklagten. Block und Costard sollen einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung der Kinder vom dänischen Wohnort des Vaters erteilt haben. Vier weitere Angeklagte – Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, ein deutscher Sicherheitsunternehmer und ein Ehepaar – stehen wegen Beihilfe vor Gericht. Alle Angeklagten bestreiten, etwas Unrechtes getan zu haben, bis auf den Israeli. Der 36-Jährige betont jedoch, er habe geglaubt, an einer Rettungsaktion teilzunehmen. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

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Die Tatnacht: Ablauf und Vorwürfe

Mehrere Männer sollen dem Vater Stephan Hensel und den Kindern in Gråsten (Gravenstein) aufgelauert haben, während sie das Silvesterfeuerwerk beobachteten. Nach Angaben der Anklage wurde Hensel zusammengeschlagen. Die Täter zerrten den Jungen und das Mädchen (damals 10 und 13) in ein Auto. Die Kinder wehrten sich. Laut Staatsanwaltschaft wechselten die Entführer nahe der Grenze die Fahrzeuge und verschlossen den Kindern mit Klebeband den Mund. Die Tochter wurde an den Händen gefesselt. Mit einem Wohnmobil fuhr die Gruppe nach Baden-Württemberg, wo die Kinder bis zum Eintreffen der Mutter am 1. Januar 2024 blieben. Danach ging es weiter nach Hamburg.

Die Vorgeschichte des Sorgerechtsstreits

Nach der Trennung des Ehepaares Block/Hensel lebten die vier Kinder zunächst bei der Mutter in Hamburg. Der Vater zog nach Dänemark und lernte eine neue Frau kennen. Die Kinder besuchten ihn regelmäßig. Im Sommer 2021 kam es zum Streit zwischen der Mutter und ihrer ältesten Tochter. Die Teenagerin wollte daraufhin beim Vater wohnen und erhielt die Erlaubnis der Mutter. Wenige Wochen später brachte der Vater die beiden jüngsten Kinder nach einem Besuch nicht wie vereinbart zurück nach Hamburg. Der Kontakt der Mutter zu dem Jungen und dem Mädchen brach ab. Die zweitälteste Tochter lebt weiter bei der Mutter.

Die juristische Auseinandersetzung

Block kämpfte jahrelang gerichtlich und erhielt in Deutschland das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht. Im Februar 2023 entschied jedoch ein dänisches Gericht, dass die Kinder zwar widerrechtlich nach Dänemark gebracht worden seien, aber nicht zurückgeführt werden könnten. Wenige Tage nach Neujahr 2024 entschied das Hanseatische Oberlandesgericht auf Eilantrag, dass die Kinder dem Vater zurückgegeben werden müssen. Dies geschah noch am selben Tag.

Die gegenseitigen Vorwürfe

Der Fall Block ist geprägt von gegenseitigen Anschuldigungen. Hensel wirft der Mutter vor, den Kindern Gewalt angetan zu haben. Deshalb hätten die Kinder im August 2021 nicht zu ihr zurückgewollt. Er hindere die Kinder nicht am Kontakt zur Mutter, aber sie wollten nichts mehr mit ihr zu tun haben. Block bestreitet die Gewaltvorwürfe und behauptet, ihr Ex-Mann habe die Lüge aus Rache erfunden und manipuliere die Kinder. Unter Tränen schildert sie, wie sehr sie ihren Sohn und ihre Tochter vermisse. Die Entführung bezeichnet sie als „Katastrophe“. Sie habe niemals so etwas gewollt und von den Planungen nichts gewusst.

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Die Aussage des mutmaßlichen Chefs der Kidnapper

Mitten im Prozess sagte der Chef der israelischen Cyber-Sicherheitsfirma, David Barkay, aus und erhielt sicheres Geleit. Seine Version: Er sei engagiert worden, um die Familie des Ex-Mannes auszuspionieren und Informationen für den Sorgerechtsstreit zu sammeln. Als das nicht den gewünschten Erfolg brachte, sei der Druck auf ihn gestiegen. Auch der Vater von Christina Block, Eugen Block, Gründer der Steakhaus-Kette „Block House“, sei informiert gewesen. Christina Block sei bei einem Treffen mit maskierten Männern im Hotel Grand Elysée kurz vor der Tat dabei gewesen und habe ihnen gedankt. Die Angeklagte bestreitet ein solches Treffen.

Ausblick und Stimmung im Gerichtssaal

Die Stimmung im Gerichtssaal ist sehr angespannt. Wortgefechte zwischen Verteidigern, Nebenklage und der vorsitzenden Richterin sind fester Bestandteil. Im August sind weitere sechs Verhandlungstage für die Befragung der Hauptermittlerin der Hamburger Polizei reserviert. Verteidigung und Staatsanwaltschaft können jederzeit neue Anträge stellen. Insgesamt hat die Kammer rund 100 Prozesstage bis Jahresende angesetzt. Ob alle benötigt werden, bleibt offen. Bis dahin wird weiter um die Wahrheit gerungen.