Block-Prozess: Tochter fühlte sich von Polizei nicht gehört
Block-Prozess: Tochter fühlte sich nicht gehört

Im Block-Prozess vor dem Hamburger Landgericht hat die Hauptermittlerin der Hamburger Polizei am heutigen Verhandlungstag über ein brisantes Gespräch mit der entführten Tochter der Angeklagten berichtet. Die 13-Jährige habe in einem späteren Gespräch am Rande einer Vernehmung geäußert, warum sie bei einem ersten Besuch der Polizei am 3. Januar 2024 keine Hinweise auf eine Entführung gegeben habe. „Ich dachte, Du glaubst mir sowieso nicht“, habe das Mädchen zu der Ermittlerin gesagt, so die Zeugin vor Gericht.

Erster Polizeibesuch ohne Auffälligkeiten

Am 3. Januar 2024 war die Polizei gemeinsam mit dem Jugendamt zum Wohnhaus der Unternehmerin Christina Block gefahren, um das Wohl des zehnjährigen Jungen und der 13-jährigen Tochter zu überprüfen. Die Hauptermittlerin sagte aus, dass sie an diesem Tag keine Hinweise darauf gehabt habe, dass die Kinder nicht freiwillig an diesem Ort seien. Auf Nachfrage der Verteidigung bestätigte die 44-Jährige, dass die Kinder zunächst einen unauffälligen Eindruck gemacht hätten.

Erst in einem späteren Gespräch, das am Rande einer Vernehmung stattfand, habe die Tochter ihre damalige Zurückhaltung erklärt. Das Mädchen habe angegeben, schon vorher andere Besucher um Hilfe gebeten zu haben. „Ich will hier raus“, habe sie gesagt, aber niemand habe etwas unternommen. Die Ermittlerin betonte, dass diese Aussage für sie überraschend kam.

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Widersprüchliche Zeugenaussagen

Die Verteidigung von Christina Block konfrontierte die Ermittlerin mit widersprüchlichen Aussagen anderer Zeugen. Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes, die ebenfalls am 3. Januar im Haus war, habe nicht bestätigt, dass das Mädchen sie um Hilfe gebeten habe. Auch ein Kinderpsychologe, der die Kinder später betreute, habe als Zeuge verneint, dass die Tochter gegenüber ihm den Wunsch geäußert habe, aus dem Haus zu wollen. Die Kinder selbst möchten nach Angaben ihrer Anwältin im Prozess nicht aussagen.

Die Hauptermittlerin räumte ein, dass es keine unmittelbaren Beweise für die angeblichen Hilferufe des Mädchens gebe. Sie verwies jedoch auf die besondere psychische Belastung der Kinder nach der Entführung. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder in solchen Situationen zunächst schweigen und erst später über ihre Erlebnisse sprechen“, sagte die Zeugin.

Vorwürfe gegen Christina Block

Christina Block wird vorgeworfen, nach einem langen Sorgerechtsstreit einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Die 53-jährige Unternehmerin bestreitet die Vorwürfe. Die Kinder waren in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark in ein Auto gezerrt, zunächst nach Süddeutschland und später nach Hamburg gebracht worden. Der Prozess wird voraussichtlich noch mehrere Wochen dauern.

Die Verteidigung kündigte an, weitere Zeugen zu laden, um die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Tochter zu überprüfen. Der Vorsitzende Richter mahnte zur Zurückhaltung, um die Kinder nicht weiter zu belasten. Die Öffentlichkeit verfolgt den Fall mit großem Interesse, da er Fragen zur Umsetzung von Sorgerechtsentscheidungen und zum Schutz von Kindern in solchen Konflikten aufwirft.

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