Die Berliner Staatsanwaltschaft hat drei Brüder im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Blutrache-Mord an einem 44-Jährigen im Berliner Ortsteil Weißensee angeklagt. Zwei der Männer im Alter von 32 und 25 Jahren werden des gemeinschaftlichen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen, Verstoßes gegen das Waffengesetz und versuchter Brandstiftung beschuldigt. Der 32-Jährige muss sich zudem wegen vollendeter Brandstiftung verantworten, die er gemeinsam mit einem weiteren, 23 Jahre alten Bruder begangen haben soll.
Hintergrund: Rache für getöteten Cousin
Laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Mittwoch sollen die beiden älteren Brüder gemeinsam mit bislang unbekannten Mittätern aus dem Familienkreis im Oktober 2025 beschlossen haben, den Tod ihres 31-jährigen Cousins zu rächen. Dieser war am 19. Juli 2025 vor dem Café Stan in der Bastianstraße in Berlin-Mitte erstochen worden. Nach Informationen des Tagesspiegels machten die Männer die Familie des später getöteten 44-Jährigen für den Tod ihres Angehörigen verantwortlich. Die Ermittlungen zu dem Messerangriff laufen noch; ein Tatverdächtiger wurde bislang nicht festgenommen.
Tathergang: Geplante Hinrichtung vor dem Wohnhaus
Der 32- und der 25-Jährige sollen den 44-Jährigen vor der Tat ausgespäht und am 31. Januar 2026 gegen 6 Uhr vor seinem Wohnhaus in der Gustav-Adolf-Straße in Weißensee auf dem Weg zur Arbeit abgepasst haben. Das Opfer arbeitete nach Tagesspiegel-Informationen als Subunternehmer für Lieferungen von Elektrohandelsketten. Nachdem der Mann in seinen Geschäftswagen gestiegen war, seien die Brüder in einem Auto von hinten an den Transporter herangefahren und hätten aus dem rechten Seitenfenster mit Schusswaffen das Feuer eröffnet, so die Staatsanwaltschaft. Die Beschuldigten hätten ausgenutzt, dass das Opfer nicht mit einem Angriff rechnete. Der 44-Jährige starb noch am Tatort. Er stammte aus der Türkei, lebte seit 2015 in Berlin und hinterließ sieben Kinder – fünf aus erster und zwei aus zweiter Ehe, das jüngste erst zwei Jahre alt.
Angeklagte: Ausreisepflichtige Brüder
Die drei Angeklagten sind nach Tagesspiegel-Informationen nicht vorbestraft. Sie stammen aus der teils kurdischen Region Şanlıurfa im Süden der Türkei, nahe der Grenze zu Nordsyrien. Der älteste Bruder lebt bereits länger in Deutschland, ist dreifacher Vater und durfte sich zum Tatzeitpunkt legal im Land aufhalten. Die beiden jüngeren Brüder hingegen waren ausreisepflichtig. Der 25-Jährige kam im September 2022 nach Deutschland; ihm wurde eine Abschiebung angedroht. Der 23-Jährige hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, sein Asylantrag wurde abgelehnt.
Vertuschungsversuch: Brandstiftung am Fluchtwagen
Nach der Tat sollen die älteren beiden Brüder ihr Fluchfahrzeug mit Benzin überschüttet und angezündet haben, um Tatspuren zu vernichten. Die Flammen erloschen jedoch. Deshalb kehrten der 32-Jährige und sein 23-jähriger Bruder am nächsten Tag zum Fluchtwagen zurück und setzten ihn erneut in Brand, wodurch das Auto vollständig zerstört wurde.
Festnahmen und weiteres Verfahren
Der 32-Jährige wurde am 6. Februar 2026 festgenommen, der 23-Jährige am 18. März und der 25-Jährige am 13. April. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft und müssen sich nun vor einer Schwurgerichtskammer am Berliner Landgericht verantworten.



