Im Prozess um die Kindesentführung vor dem Landgericht Hamburg rücken die Kinder Klara (15) und Theo (12) erneut in den Fokus. Sie waren in der Silvesternacht 2023/2024 aus Dänemark verschleppt worden. Die Anklage wirft Christina Block vor, die Entführung gebilligt oder sogar beauftragt zu haben. Neben ihr sind Gerhard Delling sowie fünf weitere Tatverdächtige angeklagt – alle beteuern ihre Unschuld.
Irrtümliche Übergabe von Unterlagen an Gutachterin
Ein neuer Zwischenfall erschüttert das Verfahren: Eine psychologische Gutachterin soll versehentlich vertrauliche Unterlagen erhalten haben, die möglicherweise die Glaubwürdigkeit der Angeklagten infrage stellen. Der Inhalt des „brisanten Briefumschlags“ wird derzeit von der Staatsanwaltschaft geprüft. Die Verteidigung spricht von einem „Versehen“ und fordert die Aussetzung des Verfahrens. Die Gutachterin selbst äußerte sich bislang nicht zu den Dokumenten.
Tal S. entschuldigt sich bei allen Beteiligten
Der in Untersuchungshaft sitzende Israeli Tal S. hat sich bei Klara und Theo, ihrem Vater Stephan Hensel sowie bei Christina Block entschuldigt. „Ich habe lange verschwiegen, dass die Mutter bei einem Vorbereitungstreffen des israelischen Kommandos anwesend war“, sagte er vor Gericht. Diese Aussage belastet Christina Block schwer. Tal S. selbst bleibt inhaftiert.
Sorgerechtsstreit als Hintergrund
Der Fall Block ist tief in einem erbitterten Sorgerechtsstreit verwurzelt. Die Kinder leben seit der Entführung wieder bei ihrem Vater in Dänemark. Eine psychologische Begutachtung soll nun klären, wie sehr die Kinder unter den Ereignissen leiden. „Die Kinder stehen vor einem Dilemma“, erklärte eine Prozessbeobachterin. Der Konflikt zwischen den Eltern hat bereits zu mehreren Gerichtsverfahren in Dänemark und Deutschland geführt.
Weitere Entwicklungen im Verfahren
Der Prozess wird voraussichtlich noch mehrere Wochen dauern. Die Verteidigung von Christina Block beantragte erneut die Aufhebung des Haftbefehls gegen ihre Mandantin, der seit Prozessbeginn besteht. Die Staatsanwaltschaft lehnte dies mit Verweis auf Fluchtgefahr ab. Parallel dazu ermittelt die Polizei zu den genauen Umständen der Entführung, bei der die Kinder aus einem Ferienhaus in Dänemark geholt wurden.
Der Fall hat internationales Aufsehen erregt. Die dänische Justiz hatte die Auslieferung der Tatverdächtigen an Deutschland genehmigt. Christina Block, Erbin der Funke Mediengruppe, bestreitet alle Vorwürfe. Ihr Anwalt Ingo Bott betonte: „Meine Mandantin hat keine Straftat begangen.“ Der nächste Verhandlungstag ist für den 4. August 2026 angesetzt.



