Cold Case Berlin: Mord an Rentnerin Anna S. nach 30 Jahren ungeklärt
Cold Case Berlin: Mord an Rentnerin Anna S. ungeklärt

Berlin, Dezember 1997: Die 79-jährige Anna S. wird tot in ihrer Wohnung in der Adolfstraße im Wedding aufgefunden – vergewaltigt, erstochen und mit ihrer eigenen Strumpfhose gefesselt. Der Täter floh unerkannt, und trotz intensiver Ermittlungen fehlt bis heute jede Spur. Fast 30 Jahre nach der Tat gilt der Fall als einer der grausamsten Cold Cases Berlins.

Der Fund der Leiche

Am 14. Dezember 1997 gegen Mittag wollte die Tochter von Anna S. wie jeden Sonntag ihre Mutter besuchen. Sie klingelte, aber niemand öffnete. Aus der Wohnung drang kein Laut. Schließlich betrat die Tochter die Wohnung und fand ihre Mutter im Schlafzimmer in einer Blutlache – entkleidet, erstochen und gefesselt. Die Spurensicherung stellte fest: Die Wohnung war aufgeräumt bis auf durchwühlte Schubladen und Schränke. Keine Einbruchsspuren. Die Ermittler gehen davon aus, dass Anna S. dem Täter selbst die Tür öffnete, vielleicht unter einem Vorwand.

Die Ermittlungen

Die Mordkommission begann noch am selben Tag mit der Arbeit. Die Spurenlage war reichhaltig: DNA des Täters wurde gesichert, aber ein Abgleich mit polizeilichen Datenbanken blieb erfolglos. Auch ein DNA-Massentest aller männlichen Bewohner im Umfeld des Opfers ergab keinen Treffer. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, wurde nie gefunden. Die Ermittler überprüften Zeugenaussagen und Alibis. Ein Nachbar, der sich zunächst weigerte, eine DNA-Probe abzugeben, wurde per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen – auch das Ergebnis war negativ.

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Ein seltsamer Vorfall zwei Tage zuvor

Zwei Tage vor dem Mord, am 12. Dezember 1997, meldete sich eine Zeugin bei der Polizei. Ein junger Mann hatte wenige hundert Meter vom Tatort entfernt bei ihr geklingelt und seltsame Fragen gestellt, unter anderem, ob sie allein lebe. Als sie die Tür schloss, sah sie durch den Türspion, wie der Unbekannte es bei der Nachbarin versuchte. Ihre Beschreibung: etwa 25 Jahre alt, 1,78 Meter groß, schlank, Oberlippenbart, dunkle Lederjacke, blaue Jeans, schwarze Schuhe, dunkelblaue Wollmütze. Trotz der detaillierten Angaben verlief die Fahndung nach diesem Mann im Sande.

Das Täterprofil der Fallanalytiker

In den 2000er Jahren zogen die Ermittler Experten der operativen Fallanalyse (OFA) hinzu. Sie erstellten ein Täterprofil: Der Mörder sei zum Tatzeitpunkt zwischen 16 und 20 Jahre alt und sexuell unerfahren gewesen. Er sei ein Außenseiter, sozial isoliert, mit einem auffälligen Ordnungssinn. Er habe wahrscheinlich als Azubi oder Handlanger auf dem Bau gearbeitet. Die Experten glauben, dass der Mord an Anna S. seine erste schwere Sexualstraftat war. „Wir gehen davon aus, dass Anna S. den späteren Täter gar nicht einlassen wollte“, sagte der damalige Kommissariatsleiter Klaus Ruckschnat 2001 dem Tagesspiegel. „Als sie öffnete, drückte der Unbekannte die Tür auf und schob die Frau in die Wohnung.“

Die Suche geht weiter

Mord verjährt nicht. Die Akten des Falles werden im Landeskriminalamt regelmäßig neu geprüft. 2016 wurde der Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ thematisiert, aber auch danach gingen keine verwertbaren Hinweise ein. Die Polizei hofft weiterhin auf Zeugen.

Hinweise nimmt die 3. Mordkommission des LKA Berlin unter (030) 4664 9113 333 oder per E-Mail an LKA113-Hinweis@polizei.berlin.de entgegen.

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