Mutmaßlicher CSD-Täter in Berlin nach Polizeischüssen gestorben
CSD-Täter nach Polizeischüssen tot

Einen Tag nach dem tödlichen Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin ist der mutmaßliche Täter bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen. Der 21-jährige Abdul B. wurde am Sonntagabend in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) erschossen, als er laut Polizei mit einer Stichwaffe auf die Beamten zuging. Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr blieben erfolglos.

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen zu dem Anschlag übernommen, bei dem am Samstagabend eine Frau getötet und 29 Menschen verletzt wurden. Nach Angaben der Polizei sind die Verletzten inzwischen außer Lebensgefahr. Der Fahrer eines weißen Vans war in eine Menschenmenge nahe dem Potsdamer Platz gefahren, anschließend geflohen und soll laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit einer Machete auf Passanten eingestochen haben.

Täter war bereits wegen IS-Kontakten verurteilt

Abdul B., geboren in Berlin und deutscher Staatsbürger libanesischer Abstammung, war den Behörden bekannt. Wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mitteilte, hatte er mehrfach versucht, sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Ausland anzuschließen. Im Juli 2025 wurde er im Libanon festgenommen und drei Monate inhaftiert. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im November 2025 kam er erneut in Untersuchungshaft. Im Mai 2026 verurteilte ihn ein Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Das Gericht hob den Haftbefehl auf, weil die Untersuchungshaft keine vorweggenommene Strafe darstellen solle. Die Generalstaatsanwaltschaft legte Berufung ein, da sie eine höhere Strafe forderte. Abdul B. hatte sich geständig gezeigt und vom IS distanziert.

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Durchsuchung und geplanter Deradikalisierungskurs

Erst Anfang Juni 2026 durchsuchten Ermittler seine Wohnung in Berlin-Schöneberg wegen eines Anfangsverdachts auf Waffenverstoß, fanden aber lediglich eine Spielzeugwaffe. Laut Medienberichten sollte Abdul B. am Montag, einen Tag nach der Tat, an einem Deradikalisierungskurs teilnehmen.

Reaktionen der Politik

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zeigte sich erleichtert über die schnelle Festnahme des Tatverdächtigen: „Dass die Berliner Polizei innerhalb von 24 Stunden den Tatverdächtigen hat, ist ein großer Erfolg der Ermittlungsbehörden.“ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rief bei einem Gedenkgottesdienst in der St. Marienkirche zur Geschlossenheit auf: „Diese Taten wollen unsere Gesellschaft spalten. Lassen wir uns nicht einschüchtern. Wir sind mehr, wir sind stärker.“ Auch Innenminister Dobrindt forderte Veranstalter von Großveranstaltungen auf, ihre Sicherheitskonzepte zu überprüfen. Terrorismusexperte Felix Neumann von der Konrad-Adenauer-Stiftung erklärte, hundertprozentige Sicherheit sei unmöglich, doch der Staat könne viele Maßnahmen ergreifen.

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