Der mutmaßliche Täter der Bluttat von Stade, Fatih Khan G., steht nicht nur in Deutschland unter dringendem Tatverdacht. Nach Recherchen des SPIEGEL wird gegen den 30-jährigen Deutsch-Türken auch in der Türkei ermittelt – wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs. Die türkischen Behörden bestätigten, dass ein entsprechendes Verfahren gegen ihn läuft.
Sechs Tote in Mutter-Kind-Einrichtung
Am 15. Juli 2026 soll Fatih Khan G. in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen erschossen haben. Unter den Opfern sind nach Angaben der Polizei drei Kinder und drei Erwachsene. Der Täter wurde kurz nach der Tat festgenommen. Die Motivlage ist noch unklar, doch die Ermittlungen in der Türkei werfen ein neues Licht auf die Vorgeschichte des Mannes.
Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs in der Türkei
Nach SPIEGEL-Informationen wurde Fatih Khan G. bereits vor der Tat in der Türkei angezeigt. Ein türkisches Gericht erließ Haftbefehl wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Die türkische Justizbehörde teilte mit: „Die Ermittlungen gegen Fatih Khan G. laufen seit mehreren Monaten. Es bestehen konkrete Hinweise auf Straftaten zum Nachteil von Kindern.“ Ob ein Zusammenhang mit der Tat in Stade besteht, wird derzeit geprüft.
Frühere Auffälligkeiten in Deutschland
Bereits in Deutschland war Fatih Khan G. polizeilich bekannt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stade gab es frühere Verfahren wegen Körperverletzung und Bedrohung. Eine psychiatrische Gutachterin soll den Mann vor der Tat untersucht haben, die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Behörden prüfen, ob eine psychische Erkrankung vorlag.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Die deutschen Ermittler arbeiten eng mit den türkischen Kollegen zusammen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade sagte: „Wir werten alle verfügbaren Informationen aus, um ein vollständiges Bild des Täters zu erhalten.“ Die Obduktion der Opfer ist abgeschlossen, die Ergebnisse werden in Kürze erwartet. Die Tatwaffe, eine halbautomatische Pistole, wurde sichergestellt und wird ballistisch untersucht.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Die Bluttat hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach den Angehörigen sein Beileid aus. In Stade fand am Sonntag eine Gedenkfeier statt, an der Hunderte Bürger teilnahmen. Die Diskussion über schärfere Waffengesetze ist neu entbrannt. Der niedersächsische Innenminister betonte jedoch, dass der Täter legal im Besitz der Waffe war.
Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hinweise zu möglichen weiteren Straftaten des Fatih Khan G.



