Fast sechs Jahre nach dem verheerenden Brückeneinsturz in Genua hat ein Gericht den ehemaligen Chef des Autobahnbetreibers zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Der Richter sprach den Manager der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Katastrophe schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 14 Jahren und acht Monaten gefordert.
Die Katastrophe von 2018
Am 14. August 2018 stürzte die Morandi-Brücke in Genua während eines Unwetters ein. Dabei kamen 43 Menschen ums Leben, Hunderte wurden obdachlos. Die Brücke war eine wichtige Verkehrsader nach Frankreich und in die Nachbarländer. Der Einsturz löste eine landesweite Debatte über den Zustand der italienischen Infrastruktur aus.
Verantwortung des Ex-Chefs
Der verurteilte Ex-Chef war zum Zeitpunkt des Unglücks Vorstandsvorsitzender des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia. Die Anklage warf ihm vor, trotz bekannter Mängel an der Brücke keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen zu haben. „Er hat es versäumt, notwendige Instandhaltungsarbeiten durchzuführen, die den Einsturz hätten verhindern können“, sagte der Staatsanwalt während des Prozesses.
Weitere Urteile und Verfahren
Neben dem Ex-Chef wurden auch andere Manager und Techniker des Betreibers angeklagt. Einige von ihnen erhielten ebenfalls Haftstrafen, andere wurden freigesprochen. Insgesamt gab es 59 Angeklagte in dem Verfahren. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig; mehrere Verteidiger kündigten Berufung an.
Reaktionen und Auswirkungen
Die Angehörigen der Opfer zeigten sich erleichtert über das Urteil. „Endlich gibt es ein Zeichen der Gerechtigkeit“, sagte ein Sprecher der Hinterbliebenen. Die italienische Regierung hatte nach dem Unglück den Autobahnbetreiber unter Zwangsverwaltung gestellt und die Konzession entzogen. Die Brücke wurde inzwischen durch einen Neubau ersetzt, der im August 2020 eröffnet wurde.



