Fast acht Jahre nach dem katastrophalen Einsturz der Autobahnbrücke „Ponte Morandi“ in Genua ist der Hauptverantwortliche zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Gericht in der norditalienischen Hafenstadt sprach Giovanni Castellucci, den früheren Vorstandsvorsitzenden des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia, schuldig und verhängte eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren.
Die Katastrophe von 2018
Am 14. August 2018 war die vierspurige Hochbrücke während eines Unwetters auf einer Länge von etwa 200 Metern zusammengebrochen. 43 Menschen kamen ums Leben, viele Fahrzeuge stürzten in die Tiefe. Die Bilder des Unglücks gingen um die Welt und lösten eine heftige Debatte über den Zustand der italienischen Infrastruktur aus.
Die Staatsanwaltschaft hatte Castellucci vorgeworfen, die Sicherheitsmängel an der Brücke über Jahre hinweg ignoriert und notwendige Wartungsarbeiten unterlassen zu haben. Das Gericht folgte dieser Argumentation und sprach ihn der fahrlässigen Tötung sowie der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Weitere Angeklagte, darunter ehemalige Manager und Ingenieure, erhielten ebenfalls Haftstrafen zwischen drei und acht Jahren.
Reaktionen auf das Urteil
Die Angehörigen der Opfer zeigten sich erleichtert über das Urteil. „Es ist ein wichtiges Signal, dass auch Manager für ihre Entscheidungen zur Verantwortung gezogen werden“, sagte ein Sprecher der Opferfamilien. Castelluccis Verteidigung kündigte umgehend Berufung an. Der Prozess hatte sich über mehrere Jahre hingezogen, unterbrochen von zahlreichen Gutachten und Zeugenvernehmungen.
Der Brückeneinsturz von Genua gilt als eines der schwersten Infrastrukturunglücke in der Geschichte Italiens. Die Brücke war erst 1967 eröffnet worden und galt aufgrund ihres Designs und der verwendeten Spannbetontechnik als anfällig. Nach dem Unglück wurde der Neubau der Brücke beschleunigt, die 2020 eröffnet wurde.



