Ein Skandal um einen pädokriminellen Insassen, der während eines Hafturlaubs Kinder schwer missbraucht haben soll, sorgt im niedersächsischen Landtag für Aufsehen. Die CDU-Opposition attackiert Justizministerin Kathrin Wahlmann (48, SPD) und fordert Aufklärung.
CDU: „Kaum zu ertragen“
„Das ist kaum zu ertragen: Ein Täter, vor dem Kinder geschützt werden mussten, erhält offenbar die Gelegenheit, neue Opfer zu finden“, sagt Christian Calderone, rechtspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Wie BILD exklusiv berichtete, soll ein 23-jähriger Insasse der Jugendanstalt Hameln (Niedersachsen) einen „Sonderurlaub“ vor seiner geplanten vorzeitigen Entlassung genutzt haben, um Kontakt zu Kindern zu suchen und in Bayern zwei Jungen sexuell zu missbrauchen. Die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg hat inzwischen Anklage gegen ihn erhoben.
Häftling narrte offenbar seine Therapeuten
Der pädokriminelle Häftling verbüßte seit 2021 knapp fünfeinhalb Jahre Haft unter anderem wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs. Bereits während eines genehmigten Ausgangs 2024 hatte er versucht, über ein Mobiltelefon Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen. Trotz dieses Umstands erhielt er Anfang 2025 einen sechsmonatigen Urlaub, um sich auf seine Freiheit vorzubereiten. In dieser Zeit zog er zu seiner Familie nach Schweinfurt (Bayern) und nahm einen Job als Kfz-Mechaniker an. Dem 23-Jährigen gelang es offenbar, seine Therapeuten über seine Gefährlichkeit zu täuschen. Auf Basis psychiatrischer Gutachten hatte die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Hannover im Sommer 2025 dem Häftling eine günstige Sozialprognose bescheinigt und seine Entlassung auf Bewährung befürwortet. Kurz darauf wurde er festgenommen.
Justizministerin erneut in der Kritik
Das Justizministerium teilte auf BILD-Anfrage mit, die Fall-Akten zu prüfen. Ein Sprecher kündigte eine „umfassende Auswertung aller Unterlagen“ aus dem Vollzug und der Sozialtherapie an. CDU-Mann Calderone betont: „Die Ministerin trägt die politische Gesamtverantwortung dafür, dass ihr Geschäftsbereich funktioniert, erkennbare Gefahren ernst genommen und insbesondere Kinder bestmöglich vor gefährlichen Straftätern geschützt werden.“
Für Justizministerin Kathrin Wahlmann kommt die Affäre zur Unzeit. Ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss (PUA) untersucht derzeit, ob es in der Affäre um den korrupten Ex-Staatsanwalt Yashar G. zu Ermittlungspannen kam. Zudem wirft die Opposition ihr vor, bei Dienstreisen ins Ausland Steuergeld verschwendet zu haben („Luxusreisen“).



