Phil Collins: Noel Gallagher hält mich nicht für den Antichristen
Phil Collins: Noel Gallagher hält mich nicht für Antichristen

Phil Collins, 75, geht davon aus, dass Noel Gallagher ihn nicht wirklich für den Antichristen hält. Der Oasis-Songwriter hatte den Genesis-Sänger jahrelang als solchen bezeichnet. Nun stehen beide vor einer möglichen Begegnung bei der Aufnahmezeremonie der Rock and Roll Hall of Fame Mitte November in Los Angeles. Collins äußerte sich in einem Interview mit dem Musikmagazin „Mojo“ zu den langjährigen Anfeindungen.

Jahrelange Rivalität zwischen Collins und Gallagher

Noel Gallagher, Gitarrist und Songwriter von Oasis, hatte Phil Collins seit den 1990er-Jahren immer wieder attackiert. Bereits 1994 sagte er dem „Guardian“, seine Mission sei es, „sicherzustellen, dass Phil Collins aus den Charts fliegt“. Er bezeichnete Collins mehrfach als „Antichristen“ und kritisierte dessen kommerziellen Erfolg. 2002 konstatierte Gallagher im „taz“-Interview: „Phil Collins hat fünfmal mehr Platten verkauft als ich. Macht ihn das auch nur annähernd so einflussreich wie mich? Nö.“

Politischer Hintergrund der Feindschaft

Ein Grund für Gallaghers Abneigung könnte Collins' politische Haltung gewesen sein. Collins galt in den 1980er- und 1990er-Jahren als einer der wenigen prominenten Popstars mit Sympathien für die konservative Tory-Partei. 1992 nannte ihn die Boulevardzeitung „The Sun“ als einen Prominenten, der Großbritannien verlassen würde, falls Labour an die Macht käme. 1997 wanderte Collins tatsächlich in die Schweiz aus, betonte jedoch, nicht aus Steuergründen umgezogen zu sein. Vor der Unterhauswahl 2005 rief Noel Gallagher zur Wahl von Labour auf mit dem Argument: „Wenn die Tories wieder an die Macht kommen, plant Phil Collins, wieder zurückzukommen und hier zu leben. Und ganz ehrlich: Niemand von uns will das!“

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Annäherung und neue Begegnung

In den letzten Jahren hatte sich die öffentliche Meinung zu Collins gewandelt, auch weil US-Rapper seine Musik sampelten. Collins sagte 2015 der „Zeit“: „Selbst ich werde irgendwann cool.“ Einem Freund zufolge habe Noel Gallagher auf die Frage, warum er ständig auf Collins herumhacke, geantwortet: „Keine Ahnung. Ich habe irgendwann damit angefangen und einfach immer weitergemacht. Dabei habe ich im Grunde gar nichts gegen ihn.“ Dennoch wiederholte Gallagher 2021 im „Tagesspiegel“ die „Antichrist“-Aussage und meinte auf den Hinweis, Collins sei witzig: „Das lässt seine Musik nicht vermuten.“

Collins' Theorie zum Auslöser

Collins vermutet, dass ein Genesis-Konzert, das Gallagher in den 1980er-Jahren unter Drogeneinfluss gesehen habe, der Auslöser war. Er glaubt, der Song „Mama“ könnte der Grund sein: „Noel hat zwar nicht gesagt, um welchen Song es ging, aber ich vermute, dass es ‚Mama‘ war.“ Bei diesem Hit singt Collins mit bedrohlichem Lachen, während das Licht dramatisch auf sein Gesicht fällt. Collins möchte jedoch das Beste annehmen: „Ich gehe davon aus, dass er nicht wirklich glaubt, ich sei der Antichrist.“

Gallaghers falsche Erinnerung

Noel Gallagher hatte mehrfach einen anderen Collins-Song als Wurzel seiner Wut genannt: „You Can't Hurry Love“. Er behauptete, das Lied sei „gefühlte 147 Wochen auf Platz eins“ der britischen Charts gewesen und habe anderen Bands den Weg versperrt. Tatsächlich war Collins' Coverversion im Januar 1983 nur zwei Wochen lang auf Platz eins, während der bestplatzierte Song von Paul Wellers Band The Jam in dieser Zeit lediglich Platz 24 erreichte.

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