Das Bundeskriminalamt (BKA) hat einen alarmierenden Anstieg der Fallzahlen im Bereich Jugendpornografie verzeichnet. Im Jahr 2025 wurden 11.515 Fälle von Herstellung, Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornografischer Inhalte registriert – ein Plus von 19,9 Prozent im Vergleich zu 2024 (9.601 Fälle). Dies geht aus dem am Dienstag veröffentlichten „Bundeslagebild Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ hervor. Die Ermittler sprechen von einem „erneuten Höchstwert“.
Ursachen: Mehr Meldungen, Online-Verhalten und KI
Das BKA führt den Anstieg auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen gingen mehr Meldungen des National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) ein. Zum anderen begleiteten Jugendliche ihre Sexualität zunehmend online. „Dies geht scheinbar regelmäßig mit der eigenen Herstellung und dem Versenden eigener oder fremder (jugend-)pornografischer Dateien einher“, so das BKA. Auch Präventionskampagnen zeigten offenbar Wirkung, da Jugendliche solche Fälle nun häufiger anzeigten.
Als vierten Grund nennt das BKA die Künstliche Intelligenz. „Die technische Fortentwicklung von KI hat auch auf Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen einen großen Einfluss“, teilt die Behörde mit. Besonders KI-Modelle zur Erstellung oder Bearbeitung von Bildern und Videos spielten eine „besondere Rolle“. Die missbräuchliche Nutzung werde „zunehmend einfacher und niederschwelliger“. Täter könnten unkompliziert Deepfakes erstellen oder vollständig künstlich generierte kinder- und jugendpornografische Inhalte produzieren.
Herausforderungen für die Strafverfolgung
Die gestiegene Qualität der KI-generierten Inhalte bereitet den Ermittlern zunehmend Schwierigkeiten. „Die gestiegene Qualität dieser Inhalte und die zunehmend erschwerte Unterscheidung von realen und KI-generierten Inhalten stellen eine Herausforderung für die Strafverfolgung im Bereich der Opfer- und Täteridentifizierung dar“, warnt das BKA. Die psychischen Folgen für Betroffene von KI-Missbrauchsvideos könnten genauso schwerwiegend sein wie bei Opfern physischer sexualisierter Gewalt. Zudem drohe eine Spirale: „Da bestehende kinder- und jugendpornografische Inhalte mithilfe von KI fortlaufend verändert werden können“, könne eine Aufnahme Jahre später noch in abgewandelter Form neu verbreitet werden und ein Trauma auslösen.
Mehr Tatverdächtige, viele Minderjährige
Trotz der Herausforderungen gibt es auch positive Entwicklungen: Im Jahr 2025 wurden 15,4 Prozent mehr Tatverdächtige identifiziert als 2024. Insgesamt 9.967 Personen wurden als Verdächtige registriert. 53 Prozent von ihnen sind minderjährig. „Kriminalpolizeiliche Erfahrungswerte zeigen, dass Minderjährige oft bereits in jungen Jahren beginnen, sexuelle Erfahrungen mit Gleichaltrigen oder Jüngeren zu sammeln, ohne sich dabei notwendigerweise der Strafbarkeit ihrer Handlungen bewusst zu sein“, resümiert das BKA. Unter den Tatverdächtigen sind 84 Prozent Deutsche und 87,1 Prozent Männer.



