Fund eines toten Kindes in Schorndorf: Obduktion als zentrales Beweismittel
Nach dem tragischen Tod eines einjährigen Mädchens in einem Auto in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) konzentrieren sich die Ermittlungen auf die bevorstehende Obduktion. Die Polizei hofft, durch die gerichtsmedizinische Untersuchung entscheidende Erkenntnisse zu gewinnen. „Wie es nun weitergeht, hängt vor allem vom Ausgang der Obduktion ab“, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Aalen.
Ermittlungen gegen die Mutter wegen fahrlässiger Tötung
Gegen die 44-jährige Mutter wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Die Obduktion soll unter anderem klären, ob Austrocknung, Überhitzung oder andere medizinische Faktoren zum Tod des Kindes geführt haben. Zudem können forensische Daten genutzt werden, um den zeitlichen Ablauf des Geschehens zu rekonstruieren und mögliche Ursachen auszuschließen.
Aussage der Mutter noch ungewiss
Die Ermittler hoffen auf eine Aussage der Mutter, die jedoch nach Polizeiangaben noch nicht vernommen wurde und nicht zur Aussage gezwungen werden kann. Sie befindet sich auf freiem Fuß und hat einen Rechtsbeistand hinzugezogen. „Bislang ist nicht sicher, ob und in welcher Form sich die Mutter äußern wird“, so der Polizeisprecher. Die Mutter und ihr Anwalt beraten über den Zeitpunkt und die Modalitäten einer möglichen Vernehmung.
Rekonstruktion des letzten Tages
Ein zentraler Bestandteil der Ermittlungen ist die Rekonstruktion des Tages, an dem das Kind gefunden wurde. „Es ist jetzt elementarer Bestandteil der Ermittlungen, den Tag zu rekonstruieren“, betonte der Polizeisprecher. Unklar ist bislang, wann das Kind in das Auto gesetzt wurde, welche Route das Fahrzeug nahm und wann es verlassen wurde. Die Polizei sucht Zeugen, die das Auto oder die Mutter am betreffenden Tag gesehen haben könnten.
Keine Angaben zum Aufenthaltsort der Mutter
Die Staatsanwaltschaft machte bislang keine Angaben dazu, wie die Mutter ihr Kind im Auto vergessen konnte und wo sie sich während der Zeit aufhielt, als das Mädchen allein im Wagen war. Nach Polizeiangaben versuchten Notarzt und Rettungsdienst unmittelbar nach dem Fund am Mittwochnachmittag, das Kind wiederzubeleben. Die Einjährige starb jedoch noch am Fundort.
Medizinische Unterlagen als Beweismittel
Neben der Obduktion werden auch die medizinischen Unterlagen des Kindes ausgewertet. Sie könnten Hinweise auf den Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Fundes und den genauen Todeszeitpunkt liefern. Die Ermittler erhoffen sich davon ein vollständigeres Bild der Geschehnisse.
Das Phänomen des vergessenen Kindes im Auto
Dass Eltern ihre Kinder im Auto zurücklassen, ist kein Einzelfall. In der Fachwelt wird dieses Phänomen als „Forgotten-Baby-Syndrom“ bezeichnet. Der US-amerikanische Psychologieprofessor David M. Diamond erklärt, dass Stress, Schlafmangel oder veränderte Routinen das Vergessen auslösen können. Dabei entstehe im Gehirn eine falsche Erinnerung, da Routinehandlungen wie die Fahrt zur Arbeit oft im Autopilot-Modus ablaufen.
Die Obduktion und die weiteren Ermittlungen sollen nun Licht in die tragischen Umstände des Todes des Mädchens in Schorndorf bringen.



