Sexueller Kindesmissbrauch: Deutlicher Anstieg der Fallzahlen 2024
Kindesmissbrauch: Fallzahlen steigen deutlich 2024

Die Zahl der registrierten Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland ist im Jahr 2024 erneut gestiegen. Laut dem Bundeslagebild „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ des Bundeskriminalamts (BKA) wurden im vergangenen Jahr 17.126 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern unter 14 Jahren erfasst. Dies entspricht einem Anstieg von rund 1600 Fällen im Vergleich zu 2021 und einem Plus von 772 Fällen gegenüber 2023.

Mehr als die Hälfte der Opfer kannte den Täter

Wie aus dem in Berlin vorgestellten Bericht hervorgeht, bestand in mehr als der Hälfte der Fälle eine Vorbeziehung zwischen Opfern und Tatverdächtigen. Die Opfer sind überwiegend weiblich: Von insgesamt 18.736 registrierten Kindern (ein Anstieg um 3,6 Prozent) waren 13.870 Mädchen und 4866 Jungen. Ein Kind kann in der Statistik mehrfach erfasst werden, wenn es wiederholt Opfer wurde.

Die Zahl der Tatverdächtigen stieg ebenfalls von 12.368 auf 12.823. Es handele sich hauptsächlich um männliche, alleinhandelnde Tatverdächtige, so das BKA. Bei Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) stieg die Zahl der Missbrauchsfälle von 1191 auf 1239.

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Jugendpornografie: Deutlicher Zuwachs um 19,9 Prozent

Besonders stark fiel der Anstieg bei jugendpornografischen Inhalten aus: Hier verzeichnet das Lagebild einen Zuwachs von 19,9 Prozent im Jahresvergleich. Das BKA sieht mögliche Ursachen unter anderem in der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) sowie generell im zunehmenden Versenden eigener oder fremder jugendpornografischer Dateien im Internet. Gleichzeitig könnten Präventionskampagnen dazu beigetragen haben, dass mehr Fälle zur Anzeige gebracht wurden. Gut die Hälfte der Tatverdächtigen in diesem Bereich war selbst minderjährig.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), BKA-Chef Holger Münch und die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, legten die Zahlen in Berlin vor. Das Bundeslagebild basiert auf Daten der bereits veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und nimmt besonders die Bereiche sexueller Missbrauch, Missbrauchsdarstellungen (Kinderpornografie) und sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen in den Blick.

Rückgang bei Kinderpornografie – auch wegen Strafrechtsänderung

Einen Rückgang gab es dagegen bei Fällen mit kinderpornografischen Inhalten. Auch hier waren die meisten Tatverdächtigen minderjährig. Ursache für den Rückgang sei auch eine Strafrechtsänderung, hieß es. So kann seit Juni 2024 auf eine Strafverfolgung verzichtet werden, wenn die Schuld als gering angesehen wird – zum Beispiel, wenn Eltern oder Lehrkräfte pornografische Inhalte zur Warnung oder als Beitrag zur Tataufklärung weiterleiten.

Hellfeld und Dunkelfeld

Die Statistik spiegelt nur die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie bearbeiteten Straftaten wider – das sogenannte Hellfeld – einschließlich sogenannter Versuchstaten. Die Zahlen sind daher auch vom Anzeigeverhalten beeinflusst. „Neben dem in diesem Lagebild dargestellten polizeilichen Hellfeld ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen“, heißt es in dem Bericht.

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