Kokain-Prozess: DHL-Shop-Mitarbeiter vor Gericht in München
Kokain-Prozess: DHL-Shop-Mitarbeiter vor Gericht

Am Dienstag hat vor dem Landgericht München I der Prozess gegen Semir S. (33) begonnen. Der gelernte Wirtschaftspsychologe soll als Mitglied der Bande „Die Firma“ in großem Stil mit Kokain gehandelt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im April 2025 auf einem McDonald's-Parkplatz in München sechs Kilo Kokain an zwei Komplizen übergeben zu haben, die das Rauschgift anschließend für 210.000 Euro an einen vermeintlichen Käufer verkauften. Dieser Käufer entpuppte sich jedoch als Verbindungsmann der Polizei.

Observierung und Telefonüberwachung

Statt die Dealer sofort festzunehmen, starteten die Ermittler eine achtmonatige Observationsaktion. Sie überwachten die Verdächtigen und hörten Telefone ab, auch die des DHL-Ladens im südlichen Landkreis München, in dem Semir S. arbeitete. Der Laden ist in der Gegend ein gesellschaftlicher Mittelpunkt: Er dient als Postfiliale, Imbiss, Café und Lotto-Annahmestelle zugleich. Tagsüber verkaufte Semir S. dort Porto und Leberkässemmeln, abends soll er Kokain vertickt haben. Die Beamten dokumentierten auch ein Treffen mit einem führenden Mitglied der Hells Angels.

22 Kilo Kokain in der Tiefgarage

Nach der Verhaftung von Semir S. und eines Komplizen am 25. November fanden die Ermittler in einem alten Pkw-Anhänger auf einem vergitterten Tiefgaragenstellplatz an der Münchner Terofalstraße mehr als 22 Kilogramm Kokain. Die Drogen waren in sogenannte Kokain-Ziegel gepresst und zum großen Teil in DHL-Kartons verpackt. Es handelte sich um die größte Kokainmenge, die bis dahin in München sichergestellt worden war. Bei der Durchsuchung des Ladens stellten die Beamten zudem einen hohen Bargeldbetrag im Tresor sicher, dessen Herkunft noch unklar ist.

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Angeklagter schweigt bisher

Semir S., der in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde, begrüßte seine beiden Verteidiger lächelnd und mit Handschlag. Bisher hat er keine Angaben zur Sache gemacht. Richter Gilbert Wolf steht eine aufwendige Beweisaufnahme bevor, da zahlreiche Zeugen gehört und Beweismittel ausgewertet werden müssen. Der Angeklagte soll Mitglied der Bande „Die Firma“ gewesen sein, die offenbar professionell organisierte Drogengeschäfte betrieb.

Spektakuläre Festnahme eines Komplizen

Der Fall erlangte auch durch die Festnahme eines weiteren mutmaßlichen Bandenmitglieds Aufsehen: Nico S. (34) hatte jahrelang unter dem falschen Namen Mateo V. bei mehreren Münchner Fußballvereinen gespielt und zahlreiche Tore erzielt. Gegen ihn wird wegen Mordversuchs ermittelt, da er im Dezember mit einem grauen BMW in Obersendling auf Polizisten zugefahren sein soll. Bei seiner Festnahme wurde er von den Beamten angeschossen. Die Ermittlungen dauern an.

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