Wenn die Spuren des Verbrechens sprechen
„Das Wohnzimmer ist erstaunlich wenig beblutet“ – dieser Satz eines Kriminaltechnikers fasst das Rätsel um den Mord an Doreen Wickler zusammen. Eine Frau wurde ermordet, Zeugen gibt es nicht. Können winzigste Spuren den Mörder trotzdem verraten? In dieser Rekonstruktion nehmen wir Sie mit an den Tatort und blicken hinter die Kulissen der Kriminaltechnik.
Berlin, 29. Januar 2021. Am frühen Abend wird die Polizei zu einer Wohnung in Berlin-Wannsee gerufen. Rettungssanitäter hatten eine 69-jährige Frau leblos im Wohnzimmer auf einer Schlafcouch gefunden. Die Frau hat zwei blutende Platzwunden am Kopf, sie können nichts mehr für sie tun. Im Protokoll heißt es, dass sich in der Wohnung auch ein aggressiver Bekannter befand, er habe die Feuerwehr alarmiert.
Als die Kriminaltechnik eintrifft, um Spuren zu sichern, bietet sich dem Tatorttrupp ein chaotisches Bild: Das Opfer heißt Doreen Wickler (Namen geändert), 69 Jahre alt. Nachbarn erzählen von einer freundlichen, unauffälligen Frau, die sich kürzlich einer Hüftoperation unterziehen musste und gerade erst wieder zurück aus der Klinik zu Hause war.
Die Spurensuche beginnt
Die Kriminaltechniker arbeiten akribisch. Jeder Blutstropfen, jeder Faserrest wird dokumentiert. Die Wohnung wirkt zunächst verwüstet, aber die Blutflecken sind überraschend gering. Das deutet darauf hin, dass der Täter möglicherweise anderswo zugeschlagen hat oder die Tat gezielt ausgeführt wurde. Die Ermittler sichern DNA-Spuren an Türklinken, Gläsern und der Kleidung des Opfers.
Der entscheidende Hinweis
Ein winziger Hautschuppen unter dem Fingernagel von Doreen Wickler erweist sich als Schlüssel. Die DNA-Analyse führt zu dem Bekannten, der die Rettungskräfte alarmiert hatte. Er hatte behauptet, die Frau nur bewusstlos aufgefunden zu haben. Doch die Spuren widerlegen seine Aussage: An seiner Jacke finden sich Blutspritzer, die mit der DNA des Opfers übereinstimmen.
Das Geständnis
Unter dem Druck der Beweise gesteht der Täter schließlich. Er gibt an, dass es im Streit um Geld zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen sei. Er habe die Frau geschlagen, bis sie stürzte und mit dem Kopf auf der Couchkante aufschlug. Die Platzwunden waren tödlich. Ohne die akribische Arbeit der Kriminaltechnik wäre der Fall wohl ungelöst geblieben.
Dieser Fall zeigt, wie wichtig die Spurensicherung am Tatort ist. Selbst wenn Zeugen fehlen, können kleinste Partikel die Wahrheit ans Licht bringen. Die Techniken der modernen Forensik machen es möglich, Täter zu überführen, die glauben, keine Spuren hinterlassen zu haben.



