Lebenslange Haft für IS-Paar: Systematische Versklavung jesidischer Mädchen
Lebenslange Haft für IS-Paar: Versklavung jesidischer Mädchen

Ein Münchner Gericht hat ein ehemaliges IS-Ehepaar zu lebenslanger Haft und neun Jahren Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten wurden für schuldig befunden, zwei jesidische Mädchen systematisch vergewaltigt, misshandelt und als Sklavinnen gehalten zu haben. Das Urteil wird von der jesidischen Gemeinschaft als wichtiger Meilenstein im Kampf gegen die Straflosigkeit von IS-Verbrechen angesehen.

Die Gräueltaten des IS-Paares

Laut Anklage hatten die Eheleute die Mädchen im Nordirak entführt und über Monate hinweg als Sexsklavinnen missbraucht. Die Frau des Paares, die eine führende Rolle bei der Versklavung spielte, forderte die Mädchen als Brautgabe ein. Die Mädchen wurden gezwungen, Hausarbeit zu verrichten und wurden bei Widerstand brutal bestraft. Die Taten fanden im Kontext des systematischen Völkermords des IS an den Jesiden statt, bei dem tausende Frauen und Kinder versklavt wurden.

Das Urteil und seine Bedeutung

Das Gericht verhängte gegen den Ehemann lebenslange Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Die Ehefrau erhielt eine neunjährige Haftstrafe wegen Beihilfe zur Versklavung und Misshandlung. In der Urteilsbegründung hob der Vorsitzende Richter hervor, dass die Taten „von einer menschenverachtenden Systematik“ zeugten. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor auf lebenslange Haft für beide Angeklagten plädiert.

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Ein fast vergessenes Menschheitsverbrechen

Der Völkermord an den Jesiden durch den IS in den Jahren 2014 bis 2017 forderte nach UN-Angaben über 5.000 Tote und führte zur Versklavung von rund 7.000 Frauen und Kindern. Viele Täter sind bis heute flüchtig oder genießen Straflosigkeit. Das Münchner Urteil ist eines der wenigen Verfahren weltweit, das die systematische Versklavung als eigenständiges Verbrechen ahndet. Die Anwältin der Nebenklägerinnen nannte das Urteil „ein starkes Signal für die Überlebenden“. Die jesidische Gemeinschaft hofft, dass weitere Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

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