Im Mordprozess gegen einen Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat die Verteidigung die Vorwürfe zurückgewiesen. Der 49-jährige Mediziner sei nicht straffällig geworden, erklärte Rechtsanwalt Jürgen Hoppe am Dienstag vor dem Landgericht Hannover. „Diese Vorwürfe treffen nicht zu“, betonte der Verteidiger. Sein Mandant habe nicht in Tötungsabsicht gehandelt, sondern lediglich das Ziel verfolgt, den Patienten unnötige Qualen zu ersparen.
Anklage: Tötung von zwei Patienten und ein versuchter Mord
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Arzt vor, zwei schwer kranke Patienten getötet und einen weiteren Tötungsversuch begangen zu haben. Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet auf Mord sowie versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.
Der erste Fall ereignete sich im Mai 2019. Der Arzt soll als Notarzt zu einer schwer kranken 82-jährigen Frau in eine Demenz-Wohngemeinschaft gerufen worden sein. Statt sie weiterzubehandeln oder in ein Krankenhaus einzuweisen, habe er versucht, sie mit Medikamenten zu töten. Die Frau schlief zunächst ein, woraufhin der Arzt ihr weitere Dosen des starken Schmerzmittels Fentanyl verabreicht habe. Sie starb erst in der darauffolgenden Nacht.
Weitere Todesfälle auf der MHH-Station
Die beiden anderen Fälle betrafen Patienten, die auf einer Station der MHH behandelt wurden. Im Juni 2020 starb ein 20-jähriger Patient, im März 2025 ein 71-jähriger. Laut Anklage soll der Arzt die Therapien der schwer kranken Patienten abgebrochen und sie anschließend mit Medikamenten getötet haben.
Die Verteidigung kündigte an, die Vorwürfe im Detail zu widerlegen. Der Prozess wird in den kommenden Wochen fortgesetzt.



