Das Landgericht Bonn hat eine 22-jährige Frau und ihren 30-jährigen Lebensgefährten wegen gemeinschaftlicher schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen zu jeweils fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Die drei Söhne der Frau, damals zwei, drei und fünf Jahre alt, waren über fünf Monate hinweg in einer abgedunkelten, völlig verwahrlosten Wohnung in Zülpich (Kreis Euskirchen) eingesperrt und regelmäßig geschlagen worden.
Zustände in der Wohnung waren bestialisch
Die Wohnung war nach Angaben des Gerichts „bestialisch nach Fäkalien stinkend“ und von Maden und Fliegen befallen. Die Räume waren mit Windelsäcken so zugemüllt, dass sie kaum noch betreten werden konnten. Die Kinder erhielten kaum Nahrung, durften nie an die frische Luft und wurden regelmäßig geschlagen, oft weil sie dem Paar zu laut waren.
Trotz teilweise lebensbedrohlicher Zustände verweigerten die Angeklagten den Jungen jede ärztliche Hilfe aus Angst, dass die Vernachlässigung entdeckt und ihnen die Kinder weggenommen würden. Medizinische Untersuchungen ergaben später neben zahlreichen Hämatomen mindestens zwölf alte und neue Knochenbrüche bei den Kindern.
Chatverlauf belegt böswillige Vernachlässigung
Ein sichergestellter Chatverlauf belegte, dass das Paar die Notlage genau kannte, sich aber stattdessen abfällig über die Kinder äußerte. Die Kammer warf den Angeklagten Eigensucht und böswillige Vernachlässigung vor. Während die Mutter ihre Überforderung mit einer erneuten Schwangerschaft und einer eigenen gewaltgeprägten Kindheit erklärte, behauptete der Partner, die Frau habe als „die Chefin“ ärztliche Hilfe untersagt. Er habe sich wegen des gemeinsamen ungeborenen Kindes nicht trennen wollen.
Kinder wurden im April 2025 entdeckt
Der Fall kam Ende April 2025 ans Licht, als zwei der Jungen bei Kälte nur mit T-Shirts bekleidet auf der Straße entdeckt wurden. In der Wohnung fanden Beamte schließlich das dritte Kind, dessen Unterernährung laut Ärzten langfristige Schäden befürchten lässt. Alle Kinder, inklusive eines im Mai 2025 geborenen vierten Sohnes, leben heute in Pflegefamilien.



