Palliativarzt gesteht 12 Morde: Staatsanwaltschaft ermittelt in 76 weiteren Fällen
Palliativarzt gesteht 12 Morde – Ermittlungen in 76 Fällen

Am 54. Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin hat der angeklagte Palliativarzt Johannes M. ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 41-Jährige räumte ein, zwölf Menschen getötet zu haben. „Ich bin erst jetzt in der Lage, mein Handeln zu erklären, und übernehme die Verantwortung für meine Taten“, sagte der promovierte Arzt. Die Staatsanwaltschaft Berlin wirft ihm vor, zwischen September 2021 und Juli 2024 Patientinnen und Patienten im Rahmen seiner Tätigkeit als Palliativarzt getötet zu haben. Der Vorwurf lautet auf Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen.

Geständnis nach fast einem Jahr Schweigen

Fast ein Jahr lang hatte Johannes M. vor Gericht geschwiegen. Nun brach er sein Schweigen und gestand 12 der 15 angeklagten Taten. Vor Gericht erklärte der Arzt, er äußere sich nicht wegen der „erdrückenden Beweise“, sondern wegen der Auseinandersetzung mit sich selbst in den vergangenen Monaten. „Ich entschuldige mich für das viele Leid, das ich über sie gebracht habe“, richtete er sich an die Angehörigen der Opfer sowie an seine Familie und Kollegen. Anfang August 2024 wurde er verhaftet, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Abgehörte Telefonate belasten den Angeklagten

Im Prozess waren vor einigen Wochen abgehörte Telefonate abgespielt worden, die der Arzt aus dem Gefängnis heraus mit seiner Ehefrau geführt hatte. In diesen hatte er bereits Tötungen zugegeben – er habe aber nicht gemordet, so der Angeklagte zu seiner Frau. Er beschrieb ihr gegenüber sein Vorgehen als ein „moralisches Handeln mit den falschen Mitteln“. Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten „Leid und Siechtum“ zu ersparen. „Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören“, sagte der Angeklagte. Er habe sich für sein Handeln gehasst. „Ich weiß, dass ich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werde. Vielleicht ist das ein Trost für die Angehörigen“, sagte er mit Blick auf Hinterbliebene, die im Prozess als Nebenkläger auftreten und im Gerichtssaal saßen.

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Ermittlungen in 76 weiteren Fällen

Parallel zum laufenden Prozess ermittelt die Staatsanwaltschaft zu derzeit 76 weiteren Fällen. Die Ermittlungen dauern an. Die Berliner Staatsanwaltschaft klagte zunächst 15 Fälle an. In einigen soll Johannes M. Brände gelegt haben, um die Taten zu vertuschen. Der Fall sorgt bundesweit für Aufsehen und wirft Fragen zur Kontrolle von Palliativmedizinern auf.

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