Vorwürfe der Polizeigewalt in Friedrichshain: Bodycams der Polizei ausgewertet
Seit Tagen wird ein Polizeieinsatz in Berlin-Friedrichshain kontrovers diskutiert. Videos des Ereignisses kursieren im Netz. Nun wurden die Bodycam-Aufnahmen der beteiligten Einsatzkräfte ausgewertet.
„Bisher sind uns keine Strafanzeigen gegen Einsatzkräfte bekannt“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Sie bekräftigte die Version der Polizei des Zusammenstoßes Anfang Juni. Die ausgewählten Aufnahmen der Bodycams würden diese Darstellung stützen, so Slowik Meisel.
Hintergrund des Vorfalls
Konkret geht es um einen Vorfall in der Nacht zum 7. Juni in der Kreutzigerstraße. Die Polizei spricht von fünf verletzten Einsatzkräften. Auslöser war die Festnahme eines 34-jährigen Mannes, der plötzlich auf die Fahrbahn gesprungen war und einen Polizeiwagen gestoppt hatte. Der Mann, der die Einsatzkräfte beleidigt hatte, sei zunächst geflüchtet, aber gestellt worden. Mehrere Menschen hätten sich mit dem 34-Jährigen solidarisiert und die Polizeibeamten bedrängt.
Ein 57-Jähriger erhebt nun den Vorwurf, von einem Polizisten geschlagen und getreten worden zu sein. Er habe „ein Knie im Nacken“ gehabt, sagte er der „taz“. Dem RBB sagte er, dass er blutende Verletzungen im Gesicht und eine massive Rippenprellung erlitten habe.
Polizei prüft Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt
Die Polizei prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Körperverletzung im Amt. „Das dafür zuständige Fachkommissariat des Landeskriminalamtes prüft derzeit die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Körperverletzung im Amt“, heißt es von der Pressestelle der Polizei. „Aktuell liegen noch nicht alle für eine abschließende Bewertung des Geschehens benötigten Beweismittel vor.“
Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) betonte: „Wir nehmen die Bedenken sehr ernst. Aber die Beurteilung eines Polizeieinsatzes darf nicht allein auf Videoschnipseln in den sozialen Medien erfolgen.“
Polizei widerspricht der Version des 57-Jährigen
Der Polizei sind die Vorwürfe des 57-Jährigen bekannt. Sie schildert den Verlauf allerdings anders. Demnach soll der 57-Jährige einen Polizeibeamten bei der Festnahme des 34-Jährigen beleidigt haben. Als der Polizist auf ihn zugegangen sei, soll er dem Beamten ins Gesicht geschlagen und nach ihm getreten haben. Der 57-Jährige wurde daraufhin vorläufig festgenommen. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Beleidigung, des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.



