Potsdam: Bombenentschärfung legt Innenstadt lahm – Hauptbahnhof gesperrt
Potsdam: Bombenentschärfung legt Innenstadt lahm

Potsdam. Am heutigen Dienstag stehen weite Teile der Potsdamer Innenstadt still. Grund ist die Entschärfung einer 250 Kilogramm schweren Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Tausende Menschen sind von Evakuierungen betroffen, der Hauptbahnhof – ein zentraler Verkehrsknotenpunkt für Pendler – bleibt zeitweise geschlossen. Auch der Landtag und mehrere Ministerien sind betroffen. Ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen.

Bombenentschärfung in Potsdam: Wie lange dauern die Sperrungen?

Etwa 6500 Menschen müssen ihre Wohnungen bis 8.30 Uhr verlassen, kündigte die Stadt an. Um den Fundort wird ein Sperrkreis mit einem Radius von rund 700 Metern eingerichtet. Die Stadtverwaltung ließ offen, wann die Sperrungen aufgehoben werden. Sprengmeister Mike Schwitzke rechnet mit einer Entschärfungsdauer von 30 Minuten bis einer Stunde. „Je schneller der Sperrkreis steht, desto schneller kann ich mit der Arbeit beginnen“, erklärte er. Danach werde der Sperrkreis wieder aufgehoben.

Welche Folgen hat das für den Verkehr?

Tausende Pendler müssen sich auf erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen einstellen. Die letzte S-Bahn aus Berlin kommt um 8.12 Uhr am Potsdamer Hauptbahnhof an, der letzte RE 1 hält dort um 8.05 Uhr. Ab 8.30 Uhr starten und enden die S-Bahnen Richtung Berlin am S-Bahnhof Babelsberg. Die Bahn gab an, dass die Unterbrechung der Strecke zum Hauptbahnhof voraussichtlich bis etwa 16.00 Uhr andauern wird. Während der Entschärfung ruht der gesamte Zugverkehr. Auch die Tram-Linien 91, 92, 93 und 96 fahren nicht. Busse starten und enden am Platz der Einheit, am Rathaus Babelsberg und Zentrum Ost – sie dürfen den Sperrkreis nicht befahren.

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Wie kommen Pendler an ihr Ziel?

„Sobald der Sperrkreis wieder aufgehoben wird, laufen auch die Verkehre wieder an“, versicherte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Bis dahin ruht der Verkehr an der größten Potsdamer Verkehrsstation. Die Verkehrsbetriebe planen ein „auf die Sperrung angepasstes Angebot“, wie die Stadtwerke mitteilten. Die Stadt rechnet mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen, auch weil wichtige Zufahrtsstraßen im Süden gesperrt sind. „Wir empfehlen eine weiträumige Umfahrung des gesamten Gebietes sowie mehr Zeit einzuplanen“, hieß es von der Stadtverwaltung. Die Umleitungen sind ausgeschildert. Autofahrer aus Richtung Süden werden über Saarmund und Bergholz-Rehbrücke nach Potsdam geleitet.

Wer ist noch von der Sperrung betroffen?

Das Museum Barberini liegt im Sperrkreis, hat am Dienstag aber „glücklicherweise Schließtag“, wie ein Sprecher erklärte. Auch das Kunsthaus „Das Minsk“ bleibt dienstags geschlossen. Der Landtag, die Staatskanzlei und mehrere Ministerien sind betroffen. Die Landtagsverwaltung geht von rund 250 bis 300 Personen aus, die an einem Dienstag vor den Plenarsitzungen ab Mittwoch üblicherweise im Landtag sind. Das Sport- und Freizeitbad Blu, die Investitions- und Landesbank, Hotels, Pflegeheime, eine Schule und eine Kita liegen ebenfalls im Sperrkreis und haben Evakuierungskonzepte entwickelt. Betroffene können ab 8.00 Uhr eine Sporthalle nutzen.

Warum wird an einem Dienstag entschärft?

Auf diese Frage antwortete die Stadt relativ unkonkret. „Nach Begutachtung des Fundes sowie des Fundortes durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg wurde gemeinsam mit der Einsatzleitung der konkrete Tag der Entschärfung festgelegt“, sagte eine Sprecherin.

Was wird bei der Entschärfung genau gemacht?

Geplant sei, die Zündkette zu unterbrechen, sagte Sprengmeister Schwitzke. Das Ziel sei es, den Zünder mit der Hand herauszudrehen und die Bombe dann abzutransportieren. Er habe diesen Eingriff bereits zigmal durchgeführt – „Tagesgeschäft“. Wann die Sperrzone aufgehoben wird, ließ auch er offen. Die Sperrung ist nicht die erste ihrer Art im Herzen von Potsdam. Im Januar 2019 wurde eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe US-amerikanischer Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des Hauptbahnhofs gefunden. Damals waren rund 5900 Menschen betroffen.

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Wie reagieren Kita, Pflegeheime und Geschäfte?

Die Kita Havelblick will ihre Kinder für die Zeit der Evakuierung in anderen Kitas unterbringen. Einige Eltern lassen ihre Kinder zu Hause. Die betroffenen Pflegeheime wollen ihre Bewohner auf andere Potsdamer Häuser verteilen. Manche der teils schwerstpflegebedürftigen Menschen werden auch im Krankenhaus betreut. „Wir brauchen keine extra Versorgungsstationen“, sagte der Sprecher eines Pflegeheims. Nach Angaben der Betreiber der Bahnhofspassagen sind ab 8.30 Uhr die Geschäfte am Hauptbahnhof geschlossen. Nach Ende der Sperrung werde der Betrieb zeitnah anlaufen, sagte ein Mitarbeiter des Centermanagements. Manche Bäckereien haben bereits vor der Evakuierung geöffnet und schließen dann. „Meist tritt erstaunlich schnell die Normalität ein.“