Der Prozess um den gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz hat am Landgericht Zweibrücken begonnen. Der Angeklagte, ein 26-jähriger Grieche, soll am 1. Februar 2025 in einem Regionalexpress von Landstuhl nach Homburg einen Schaffner attackiert und so schwer verletzt haben, dass dieser zwei Tage später im Krankenhaus an einer Hirnblutung starb. Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzen und löste eine Debatte über mangelnde Sicherheit im Bahnverkehr aus.
Schläge aus „blinder Wut“ – Angeklagter zeigt Reue
Zu Beginn des Prozesses zeigte die Staatsanwaltschaft Überwachungsvideos aus dem Zug, die den Angriff dokumentieren. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Angeklagte den 36-jährigen Serkan Çalar mit schnellen, harten Faustschlägen an Kinn, Brust und vor allem am Kopf trifft. Der Zugbegleiter sackte bewusstlos zusammen und starb später. Im Gerichtssaal kam es zu emotionalen Reaktionen: Angehörige schluchzten laut, ein Zuschauer rief „Hurensohn“, mehrere verließen den Raum.
Der Angeklagte Ioanni V., der zuletzt in Luxemburg lebte, zeigte sich reumütig. Über seine Dolmetscherin ließ er mitteilen: „Aus der Tiefe meines Herzens möchte ich eine große Entschuldigung aussprechen für eine nicht zu entschuldigende Tat und einen Moment blinder Wut.“ Er betonte, dass er die volle Verantwortung übernehme, und gab an, nach der Tat Suizidgedanken gehabt und 20 Tage lang nichts gegessen zu haben. Der 26-Jährige, der Business studiert hat und zuletzt in der Buchhaltung arbeitete, bestritt, Kampfsport betrieben zu haben.
Familie des Opfers fordert Signal gegen Gewalt
Die Familie des getöteten Zugbegleiters war mit zahlreichen Angehörigen erschienen. Sie hielten mit Fotos bedruckte Leinwände hoch, um dem Opfer ein Gesicht zu geben. Bruder Ismail Çalar sagte: „Wir wollen zeigen, dass Serkan Çalar hier ist, dass er mit uns gekommen ist. Seine Seele ist hier.“ Der Anwalt der Familie, Yalçın Tekinoğlu, zeigte sich skeptisch gegenüber der Entschuldigung des Angeklagten: „Das war für mich keine aufrichtige Entschuldigung. Es war überhaupt gar keine Entschuldigung.“ Er verwies darauf, dass das Video „Schläge mit Boxerfahrung“ zeige und der Angeklagte gewusst haben müsse, dass diese tödlich sein könnten. Die Familie hoffe, dass von dem Prozess ein Signal ausgehe, dass Gewalt gegen Mitarbeiter im öffentlichen Raum aufhöre.
Hintergrund: Angriffe auf Bahnpersonal nehmen zu
Der Fall reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Nach Angaben der Bundesregierung wurden im Jahr 2025 rund 2.690 Angriffe auf Beschäftigte der Deutschen Bahn von der Bundespolizei erfasst – ein Anstieg von etwa elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Vorfall in Rheinland-Pfalz hatte eine breite Diskussion über Sicherheitsmaßnahmen in Zügen ausgelöst, etwa über die Frage, ob der Einsatz von zwei Schaffnern solche Attacken verhindern könnte.
Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten ursprünglich wegen Mordes angeklagt, doch das Landgericht wertet die Tat derzeit als Körperverletzung mit Todesfolge. Es gebe keine Anhaltspunkte für einen Tötungsvorsatz, hieß es. Sollte sich dies im Laufe des Verfahrens ändern, werde ein rechtlicher Hinweis erteilt. Der Prozess ist auf acht Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird für den 9. Juli erwartet.
Vater des Opfers bricht zusammen
Am ersten Prozesstag sagte auch der Vater des Opfers, Erdal Çalar, aus. Er schilderte, dass er bei der Nachricht vom Tod seines Sohnes einen Herzinfarkt erlitten habe. „Ein Kind zu verlieren, ist das Schlimmste“, sagte er. Sein Sohn habe als Alleinerziehender seine beiden Söhne im Alter von zehn und zwölf Jahren großgezogen. „Was sollen sie schon sagen? Sie haben ihren Vater verloren.“ Der Angeklagte verfolgte die Aussage regungslos.



