Der 60-jährige Betreiber einer Autowerkstatt aus Remscheid hat vor dem Landgericht Wuppertal ein umfassendes Geständnis abgelegt. Über seine Verteidigerin ließ er erklären, dass die in der Anklage aufgeführten Waffenkäufe und Besitzverhältnisse im Wesentlichen zutreffen. Der Mann steht im Zentrum eines der größten Kriegswaffenfunde in Deutschland seit 1945.
Das Geständnis des Hauptangeklagten
„Man kann sagen, dass ich ein fanatischer Sammler bin“, sagte der Angeklagte in seiner Erklärung. Er räumte ein, über Jahre hinweg ein riesiges Arsenal an Pistolen, Gewehren und Munition gehortet zu haben. Sein Hobby sei das Sammeln von Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Irgendwann habe er die Distanz zu seiner Leidenschaft verloren, gestand er. Seine Ehe habe unter dem zeitintensiven Hobby gelitten, während er sich „einen Lebenstraum erfüllt“ und ein privates Waffenmuseum gebaut habe.
Im Verlauf der Jahre habe er viele andere Militaria-Sammler kennengelernt und sei auch mit scharfen Waffen in Kontakt gekommen. „Ich wollte nie damit schießen, ich wollte sie nur besitzen“, betonte der 60-Jährige. Gleichzeitig gestand er ein, dass ihm die Illegalität bewusst war: „Ich wusste, dass ich die nicht haben durfte.“ Deshalb habe er versteckte Räume eingerichtet, auf die er später jedoch die Ermittler hinwies, „damit auch kein Unbefugter rein konnte“.
Das geheime Waffenarsenal
Der Fund des Arsenals im Oktober des Vorjahres hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Hinter einer Art privatem Waffenmuseum fanden sich in einem Gebäudekomplex in der Remscheider Innenstadt Geheimtüren, hinter Zwischenwänden versteckte Räume, verborgene Schließmechanismen und sogar Munition im Hohlraum eines Türrahmens. Insgesamt 200 Einsatzkräfte durchkämmten tagelang das Anwesen und stießen auf immer neue Überraschungen.
Letztendlich stellten die Beamten rund 300 scharfe Schusswaffen sicher, darunter 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, Präzisionsgewehre, 11 Revolver, 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten sowie fast 100.000 Schuss Munition. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland.
Verkauf an Kunden
Neben dem Besitz der Waffen räumte der Angeklagte auch den Verkauf von scharfen Waffen ein. Er habe einem Kunden Maschinengewehre und Pistolen verkauft. „Ich habe es für möglich gehalten, dass er die Waffen an andere Sammler weitergeben würde, aber nicht an Kriminelle“, erklärte der 60-Jährige. Die Staatsanwaltschaft vermutet jedoch, dass die Waffen an Kunden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität gelangten.
Neben dem Hauptangeklagten sind zwei weitere Männer im Alter von 35 und 38 Jahren wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz angeklagt. Sie hatten bereits in früheren Verhandlungen gestanden, bei dem 60-Jährigen Maschinenpistolen für rund 2000 Euro pro Stück sowie Munition gekauft zu haben.
Die Einlassung des Sammlers
Der Hauptangeklagte beteuerte, dass er ursprünglich alle Waffen habe entmilitarisieren wollen. „Aus purem Zeitmangel kam ich nicht dazu“, versicherte er. Er habe alle noch scharfen Waffen als Deko-Waffen betrachtet. Mit scharfen Waffen zu handeln, sei nie seine Absicht gewesen. Er räumte jedoch ein, dass er im Laufe der Jahre immer mehr Waffen von anderen Sammlern zur Zwischenlagerung angenommen habe. „Ich hätte sie vernichten können, aber dafür waren sie zu schade“, sagte er. Damit sei ein Dauerzustand entstanden.
„Ich sehe ein, dass ich viele Fehler gemacht habe“, schloss der Angeklagte seine Erklärung. „Zum Glück gelangten die Waffen in die Hände der Polizei.“ Das Verfahren wird fortgesetzt.



