Das Landgericht Frankfurt hat drei Mitglieder einer international agierenden Betrügerbande zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Angeklagten hatten mit sogenannten Schockanrufen ältere Menschen um ihr Erspartes gebracht. Ein 87-jähriger Offenbacher verlor dabei allein 175.000 Euro in Form von wertvollen Sammlermünzen. Der Vorsitzende Richter sprach von „niederträchtigen, besonders verwerflichen Taten“. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
So gingen die Betrüger vor
Die Masche der Bande war perfide: Die Täter riefen ihre Opfer an und gaben sich als Polizisten aus. Sie behaupteten, ein Familienangehöriger habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem jemand gestorben sei. Ohne die Zahlung einer Kaution drohe dem Angehörigen die Untersuchungshaft. So erging es auch dem 87-jährigen Offenbacher, der Anfang Juli als Zeuge vor Gericht aussagte. „Das hat mich umgeworfen, mir gingen die Haare hoch, es hat meinen Verstand ausgesetzt“, schilderte er seine Gefühlslage nach dem Anruf.
Der Rentner zweifelte keine Sekunde an der Geschichte, zumal sich seine Tochter tatsächlich zum Tatzeitpunkt in Spanien aufhielt. Die Betrüger nutzten diese Information offenbar gezielt aus. Sie setzten das Ehepaar auch am Telefon massiv unter Druck. „Sie kannten auch unsere Adresse“, berichtete die Ehefrau des 87-Jährigen. „Wir hatten Angst, dass jemand kommt und uns überfällt.“ Zudem spielten sie dem Paar eine weinende Frau vor, die sich als die vermeintlich inhaftierte Tochter ausgab.
Übergabe der Sammlermünzen
Noch am Tattag, dem 4. August 2025, übergab die Ehefrau einem der Angeklagten auf offener Straße 50 Sammlermünzen im Wert von 175.000 Euro. Das Paar hatte die Münzen über Jahrzehnte angespart und eigentlich den Enkeln vererben wollen. Vier Stunden später übergab sie weiteren 50 Münzen an einen bislang unbekannten Täter. Die Betrüger wollten offenbar noch mehr und setzten das Ehepaar weiter unter Druck.
Doch dann machten die Täter einen entscheidenden Fehler: Einer von ihnen verplapperte sich und sprach von einem Gefängnis in Italien, obwohl die Legende von Spanien handelte. Da dämmerte dem Ehepaar, dass es betrogen worden war. Am nächsten Morgen fuhren sie zur echten Polizei und erstatteten Anzeige. Der 87-Jährige zeigte sich vor Gericht wütend: „Ich bin so wütend, am meisten über meine eigene Dummheit. Aber das Wichtigste ist, dass alles nur eine Lüge war und es meiner Tochter gut geht.“
Urteile gegen die Angeklagten
Bei den Verurteilten handelt es sich um eine 25-jährige Frau und zwei 20-jährige Männer, die vor allem für die Abholung der Beute zuständig waren. Sie wurden wegen insgesamt drei Taten verurteilt, darunter auch ein Fall in Frankfurt mit einer 88-jährigen Frau als Opfer. Die Angeklagten waren größtenteils geständig. Die Strafkammer verurteilte die Frau und einen der 20-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu jeweils sechs Jahren Haft. Der andere Mann erhielt wegen Beihilfe eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren.
Der Vorsitzende Richter betonte in seiner Urteilsbegründung, die Täter hätten sich bewusst verletzliche Personen ausgesucht und diese in einen Schockzustand versetzt. Die Frau des 87-jährigen Offenbachers hatte während der Beweisaufnahme direkt zu den Angeklagten gesagt: „Es ist gemein, alte Leute so zu betrügen.“ Die Polizei warnt seit langem vor der Masche des Schockanrufs und rät, bei solchen Anrufen sofort aufzulegen und die örtliche Polizeidienststelle zu kontaktieren.



