In Berlin-Wilmersdorf sind erneut Schüsse gefallen. Auf dem Gelände einer Baufirma entdeckte die Polizei am Samstag Einschusslöcher an einem Gebäude und an einem davor geparkten Auto. Ein Mitarbeiter hatte die Schäden am Mittag bemerkt und die Polizei alarmiert. Die Beamten sicherten vor Ort Patronenhülsen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt. Wer die Schüsse abgab und aus welchem Motiv, war zunächst unklar.
Ermittlungen der Kriminalpolizei
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Ein Polizeisprecher erklärte, es werde noch geprüft, ob die Sondereinheit „Ferrum“ des Landeskriminalamts (LKA) die weiteren Ermittlungen führt. „Ferrum“ wurde im Herbst 2025 gegründet, nachdem die Schusswaffenkriminalität in Berlin deutlich zugenommen hatte. Parallel dazu richtete die Staatsanwaltschaft die Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe“) ein. Beide Einheiten arbeiten eng zusammen und gingen in den vergangenen Wochen verstärkt gegen organisierte Kriminalität vor.
Hintergrund: Clan-Kriminalität und Erpressungen
Im Fokus der Ermittler stehen nach eigenen Angaben Banden, deren Anführer von der Türkei aus agieren. Sie bedrohen in Berlin und anderen Städten türkisch- und kurdischstämmige Ladeninhaber, um hohe Geldsummen zu erpressen. Seit Bestehen der Sondereinheit „Ferrum“ wurden nach jüngsten Polizeiangaben vom 22. Juni mehr als 50 scharfe Schusswaffen, über 800 Schuss Munition sowie zahlreiche weitere gefährliche Gegenstände sichergestellt. In 54 Fällen wurden Haftbefehle gegen mutmaßliche Täter erlassen. Insgesamt gibt es inzwischen rund 460 Ermittlungsverfahren.



