Die Berliner Polizei-Sondertruppe „BAO Ferrum“ hat im Zusammenhang mit den seit 2023 gehäuften Schüssen und Schutzgelderpressungen bis Mitte Juli 61 Haftbefehle erwirkt. Insgesamt wurden 514 Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Gollaleh Ahmadi hervorgeht.
Ermittlungen erstrecken sich über mehrere Bundesländer und die Türkei
Die Ermittler verfolgen Spuren, die weit über Berlin hinausgehen. So sollen sich Verdächtige neben der Hauptstadt auch in Hessen, Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen aufgehalten haben oder dort über Kontakte verfügen. Zudem gibt es Hinweise auf Verbindungen in die Türkei. Die Berliner Polizei arbeitet bei den Ermittlungen eng mit dem Bundeskriminalamt (BKA) und der EU-Polizeibehörde Europol zusammen.
Waffen- und Munitionssicherstellungen
Bis Mitte Juli stellte die Sondertruppe 56 scharfe Schusswaffen sowie 21 Schreckschuss- und Gaspistolen sicher. Hinzu kommen Munition und Fahrzeuge, die im Rahmen der Ermittlungen beschlagnahmt wurden. In neun Verfahren wurden bereits Strafbefehle erlassen oder Anklagen erhoben. Die Behörden haben zudem 263 vorläufige Freiheitsentziehungen vorgenommen.
Täter spähen Opfer über soziale Medien aus
Wie die Innenverwaltung mitteilte, gewinnen die Täter viele Informationen über ihre Opfer aus öffentlich zugänglichen Quellen, insbesondere aus den Social-Media-Auftritten der betroffenen Gewerbebetriebe. Darüber hinaus habe es „gezielte Ausspähversuche“ gegeben, um weitere Daten zu erlangen. Dies zeigt eine hohe Professionalität der Täter.
Hintergrund: Organisierte Kriminalität und Schutzgelderpressungen
Hinter den Schüssen und Brandstiftungen stehen nach Erkenntnissen der Ermittler mutmaßlich Schutzgelderpressungen und Revierkämpfe zwischen Drogen- und Waffenhändlern. Die Angriffe richteten sich meist gegen Gewerbetreibende türkischer Herkunft. Bei den Tätern handelt es sich nach Polizeiangaben um Akteure der Organisierten Kriminalität mit türkischem oder kurdischem Hintergrund.
Justiz richtet eigene Ermittlungsgruppe ein
Bereits im Februar hatte die Berliner Justiz die Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Waffe“) eingerichtet. Diese ist innerhalb der für Organisierte Kriminalität zuständigen Abteilung der Staatsanwaltschaft angesiedelt und bearbeitet ausschließlich die Verfahren der BAO Ferrum. Die enge Verzahnung von Polizei und Justiz soll eine effiziente Strafverfolgung gewährleisten.
Staatssekretärin Franziska Becker (SPD) betonte in ihrer Antwort, dass die Behörden mit Hochdruck an der Aufklärung der Serie arbeiten. Die bisherigen Erfolge, darunter die zahlreichen Haftbefehle und Waffensicherstellungen, zeigten die Entschlossenheit der Sicherheitskräfte, gegen die Organisierte Kriminalität vorzugehen.



