In Österreich sind Fälle von systematischem Missbrauch nach dem Muster des französischen Falls Gisèle Pelicot bekannt geworden. Das Bundeskriminalamt bestätigte, dass es neben einem bereits bekannten Täter in Niederösterreich auch in Tirol einen Verdachtsfall gibt. Die Wiener Anwältin Sonja Aziz, die das Opfer aus Niederösterreich vertritt, erwartet eine hohe Dunkelziffer bei dem Phänomen der sogenannten chemischen Unterwerfung.
Hintergrund: Der Fall Pelicot
Der Fall Gisèle Pelicot hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Französin war von ihrem Ehemann regelmäßig betäubt und dann von fremden Männern vergewaltigt worden. Der Ehemann filmte den Missbrauch. Wie die „Standard“-Kollegin Clara Wutti berichtet, existieren ähnliche Missbrauchsmuster nun auch in Österreich. Die Täter gingen offenbar ähnlich vor: Sie betäubten ihre Opfer und vergewaltigten sie, während sie filmten.
Tipp aus Deutschland führte auf die Spur
Die österreichischen Ermittler kamen durch einen Tipp aus Deutschland auf die Spur des Täters aus Niederösterreich. Ein Mann aus Niedersachsen, der seine betäubte Ehefrau vergewaltigt und die Videos im Internet verbreitet hatte, war aufgeflogen. Zwei Journalistinnen des NDR entdeckten die Clips und schalteten die deutschen Behörden ein. Der Täter aus Norddeutschland stand in Kontakt mit dem Täter aus Niederösterreich, beriet ihn und schickte ihm sogar sedierende Mittel. Anfang 2025 durchsuchte die Polizei das Wohnhaus im Bezirk Bruck an der Leitha und nahm den Mann fest. Das Opfer ahnte bis dahin nichts.
Rechtliche Lücken
Der bloße Besitz von Vergewaltigungsaufnahmen ist weder in Deutschland noch in Österreich strafbar. In Niedersachsen will die Landesregierung gesetzlich nachschärfen. In Österreich ist man noch nicht so weit. Das Justizministerium wolle die „geltende Rechtslage“ überprüfen, heißt es auf Anfrage des „Standard“. Opferanwältin Aziz spricht vom „niederösterreichischen Fall Pelicot, natürlich nicht in diesem Ausmaß“. Sie betont, dass die Täter oft über Jahre hinweg unentdeckt bleiben.
Hohe Dunkelziffer erwartet
Aziz erwartet, dass es bei dem Phänomen der chemischen Unterwerfung eine hohe Dunkelziffer gibt. Viele Opfer wüssten nicht einmal, dass sie betäubt und missbraucht wurden. Die Täter nutzten die Bewusstlosigkeit der Opfer aus, um ihre Taten zu filmen und im Internet zu verbreiten. Die Fälle in Österreich zeigen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein systematisches Problem.
Rechtsextreme Gewalt in Österreich
In einem anderen Zusammenhang berichtet die Podcast-Folge „Inside Austria“ über rechtsextreme Gewalt in Österreich. In der Studentenstadt Leoben in der Steiermark schlugen Männer einen Taxifahrer zusammen. Vor einem Keller in Wien sah eine Anwohnerin, wie ein unbekanntes Opfer verprügelt wurde. Beide Fälle spielen sich im Dunstkreis der „Identitären Bewegung“ ab. Im Fall des verprügelten Taxifahrers war ein Verdächtiger parlamentarischer Mitarbeiter der FPÖ. Der Podcast geht der Frage nach, ob die rechte Gewalt in Österreich eskaliert und welche politischen Folgen die Vorfälle haben könnten.



