Tigerangriff nahe Leipzig: Pfleger (72) erliegt Verletzungen
Tigerangriff nahe Leipzig: Pfleger stirbt

Zwei Monate nach dem Tigerangriff in Dölzig bei Leipzig ist der schwer verletzte 72-jährige Pfleger gestorben. Das teilte die Staatsanwaltschaft Leipzig mit. Der Mann war am 15. Mai von dem knapp 300 Kilogramm schweren Tiger „Sandokan“ attackiert und lebensgefährlich verletzt worden. Das Tier entkam aus der Anlage einer ehemaligen Dompteurin in einem Gewerbegebiet nahe der Autobahn 9 und wurde später von der Polizei erschossen.

Obduktion angeordnet, Ursache unklar

„Der Mann war so schwer verletzt, dass er in der ganzen Zeit nicht vernommen werden konnte“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Obduktion sei angeordnet worden, die Ergebnisse lägen aber noch nicht vor. Da der 72-Jährige zum Zeitpunkt des Angriffs allein mit dem Tiger war und die Halterin nicht vor Ort gewesen sei, bleibe unklar, was genau zu der Attacke geführt habe.

Ermittlungen gegen Halterin

Nach dem Tod des Pflegers ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassung gegen die 68-jährige Halterin der Anlage. Sie hatte in einem Interview erklärt: „Ich habe nichts falsch gemacht. Meine Helfer sind zu 100 Prozent instruiert. Ich verstehe nicht, was hier passiert ist.“ Die Anlage sei sicher gewesen. Seit 2024 hatte es jedoch Streit mit den Behörden gegeben, da die Tigerhaltung nicht den Anforderungen genügte. Die Shows in dem Gewerbegebiet wurden untersagt, die Haltung von Raubkatzen ist in Sachsen aber grundsätzlich erlaubt.

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Rettungsaktion und Tötung des Tigers

Bei dem Vorfall im Mai hatten Rettungskräfte unter Polizeischutz das Gehege betreten und den 72-Jährigen geborgen. „Wir wussten zu diesem Zeitpunkt ja nicht, ob noch weitere Tiere frei herumlaufen“, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr Dölzig, Patrick Siebeck. Der Verletzte hatte mehrere Biss- und Kratzverletzungen erlitten. Während der Rettung suchte die Polizei nach „Sandokan“, der sich auf eine nahegelegene Kleingartenanlage zubewegte. Die Besucher wurden per Lautsprecher aufgefordert, in ihren Lauben oder Autos zu bleiben. Eine 68-jährige Zeugin beobachtete, wie Polizisten auf ein Autodach stiegen und dreimal auf den Tiger schossen. Er starb wenige Meter vom Zaun entfernt.

Tiger in Auffangstation gebracht

Anfang Juli wurden sechs der neun Tiger aus der Anlage abtransportiert, da das Gehege für die Anzahl der Tiere zu klein war. Das Landratsamt Nordsachsen hatte dies angeordnet. Die Tiere wurden an die Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection (AAP) übergeben und in eine Auffangstation nach Spanien gebracht. Dort sollen sie nach einer Quarantäne in einem rund 3.000 Quadratmeter großen Außengehege mit Naturboden, Badebecken und Rückzugsmöglichkeiten leben. Die Organisation sprach von der größten Tigerrettung, die sie bislang in Deutschland durchgeführt hat.

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