Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am französischen Nationalfeiertag die umfangreichste Militärparade seiner Amtszeit abgehalten. Mit fast 6.800 beteiligten Soldaten und einer deutlich erhöhten Zahl von Fahrzeugen setzte die Parade ein starkes Zeichen der Unterstützung für die Ukraine. Bundeskanzler Friedrich Merz und rund 30 weitere Staats- und Regierungschefs der sogenannten Koalition der Willigen sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wohnten der Parade auf der Ehrentribüne bei.
Größte Militärparade unter Macron
Die Parade auf den Pariser Champs-Élysées war nach Angaben des Élysée-Palasts die größte seit Macrons Amtsantritt 2017. Sie sollte Frankreichs gesteigerte Verteidigungsausgaben widerspiegeln, die sich seit 2017 verdoppelt haben. An der Spitze marschierten 500 Soldaten aus Mitgliedsländern der Koalition der Willigen, darunter auch Truppen aus Deutschland. 25 ukrainische Soldaten nahmen ebenfalls teil. Die Kunstflugstaffel „Patrouille de France“ zog Kondensstreifen in den Nationalfarben, begleitet von zwei Mirage-Kampfjets mit französisch-ukrainischer Besatzung – Jets dieses Typs hatte Paris der Ukraine zur Verfügung gestellt.
Koalition der Willigen stärkt Ukraine den Rücken
Bereits am Vorabend hatte die von Frankreich und Großbritannien angeführte Koalition der Willigen bei einem Treffen in Paris ihre weitere militärische Unterstützung für die Ukraine bekräftigt. Neben der Zusage weiterer Waffenlieferungen und einer Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr kündigte Macron überraschend erste gemeinsame Manöver der multinationalen Schutztruppe an. Diese soll einen möglichen Waffenstillstand und Friedensschluss in der Ukraine absichern. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte in Paris, die Manöver sollen im Herbst in Polen stattfinden, mit Truppen aus Frankreich, Großbritannien und Polen. Die Übungen sollten die Koalition auf „konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten“, so Tusk der Nachrichtenagentur PAP zufolge.
Deutschland bei Ukraine-Schutztruppe zurückhaltend
Bundeskanzler Merz hatte den deutschen Beitrag für eine multinationale Truppe für die Ukraine bisher offen gelassen. In einem Statement am Montagabend in Paris sprach er lediglich davon, dass die Koalition der Willigen bereit sei, bei den Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand eine „wichtige Rolle“ zu spielen, in enger Zusammenarbeit mit den USA. Der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz sagte, sein Land sei auch zu einer ständigen Stationierung von Truppen aus Frankreich und Großbritannien bereit: „Wenn wir mehr Verantwortung für die Nato-Ostgrenze tragen, dann kommen die, die weit davon entfernt leben, nach Polen“, sagte er PAP zufolge in Warschau.
Parade mit europäischem Akzent
Die Parade trug auch Macrons starkem Bekenntnis zu Europa Rechnung. Deutschland war mit vier Flugzeugen sowie 21 Soldaten des Artilleriebataillons 295 aus Stetten am kalten Markt beteiligt, das der Deutsch-Französischen Brigade untersteht. Von den Kommentatoren des französischen Fernsehens wurden die deutschen Soldaten mit derselben Wertschätzung angekündigt wie alle anderen ausländischen Truppen. Deutsche Soldaten waren am 14. Juli 1994 zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs wieder an einer Militärparade auf französischem Boden beteiligt – ein Zeichen der deutsch-französischen Aussöhnung, das Frankreichs damaliger Präsident François Mitterrand setzte.



